Vielleicht erinnern sich einige der Leser an das Computerspiel Dungeon Master, das damals (1987) neue Maßstäbe im Bereich der Computerspiele setzte und schnell zu einem Klassiker wurde.
Vier Helden mußten sich durch ein unterirdisches Labyrinth kämpfen, um den Feuerstab von „Lord Chaos“ zu holen.
Nur mit diesem Zauberstab war es möglich die Welt vor dem Untergang zu retten
Da ich die Geschichte gut fand hier noch einmal die Vorgeschichte zu dem Abenteuer geschrieben von „Nancy Holder“
Das Bild ist von „David Darrow“
Entfesseltes Chaos
Stille herrschte im Verlies des Grauen Lords. Der Schein der Fackeln ließ den Feuerstab in seinem Glasgehäuse auf dem kobaltblauen Tuch in einem gespenstischen Lichte erscheinen und brachte den mit Rubinen und Saphiren reich verzierten Griff zum Funkeln, so daß ein matter Schein sich auf das Astrolabium aus Messing und den Kompaß ausbreitete, die Theron von Viborg in seinen Händen hielt, eifrig damit beschäftigt, im Auftrag seines Meisters eine Sternenkarte zu kopieren.
Tief im Inneren des Verlieses schlug die große Glocke des Grauen Lords die Stunde. Bei dem dumpfen Klang sah Theron von seiner Arbeit auf und seufzte. Fünf Uhr. Wie lange der Zauberer wohl noch in seinem Labor beschäftigt sein würde?
Fulcrum, der Rabe seines Herrn und Meisters, schlug mit den Flügeln um sich und ließ sich auf Therons Schulter nieder.
„Ah, ha, ich hab’s! Ah, ha, ich habs!“ krächzte der Rabe, indem er den selbstgefälligen Ton perfekt nachahmte, den der Graue Lord anzuschlagen pflegte, wenn immer es ihm gelungen war, ein Rätsel zu lösen oder ein Experiment zu Ende zu bringen. „Ah, ha, ich hab’s! Ah, ha, ich habs!“
„Mein Herz freut sich mit dir,“ murmelte Theron. „Kannst du mir jetzt einen Gefallen tun und durch die Eichenpforte fliegen, um deinen Meister daran zu erinnern, daß man mich in Viborg erwartet?“
„Ah, ha!“ schrie Fulcrum. Mit einem Seufzer wandte sich Theron erneut seiner Karte zu.
Als die Glocke die sechste Stunde verkündete, legte Theron seine Instrumente nieder, rieb sich die Augen und ging auf Zehenspitzen über die Steinfliesen hinüber zur Tür, die zum geheimen Laboratorium seines Meisters führte. Er hielt den Atem an und pochte zaghaft an die Tür.
„Herr, ich bin soweit,“ hub er an.
Als ihm keine Antwort zuteil wurde, hielt er sein Ohr gegen die Tür und horchte. Das Klirren von Glas, das Knistern eins Feuers, ein schnaubendes Geräusch, Rauch vermutlich. Der Geruch von Mana drängte sich durch die Ritzen in der Tür und stieg Theron wohltuend in die Nase. Er atmete ihn tief und genießerisch ein. Wenn die Zeichen nicht trügten, war der Graue Lord in ein ersthaftes Experiment vertieft. Seit dem letzten Vollmond hatte er sich nicht blicken lassen, und das war nun schon drei Nächte her.
„Meister?“ rief der Lehrling fragend.
Es war ihm, als hörte er ein grunzendes Seufzen, als entstiege es dem Schlund eines Drachen oder der Seele eines unerlösten Dämons. Doch dann vernahm er die Stimme des Grauen Lords: „Ich habe dich schon das erste Mal gehört, Theron. Laß mir Zeit, du junger Spund.“
„Verzeiht mir,“ stammelte Theron und zog sich etwas zurück, als sich die Tür öffnete. Fulcrum krähte und schwirrte ins Innere, während Theron die Gelegenheit beim Schopf packte, einen verstohlenen Blick in das verbotene Gewölbw zu werfen! Doch so sehr er sich auch bemühte, er konnte nichts als schattige Umrisse erkennen. Wie er sich sehnte, dort drinnen ans Werk zu gehen und in die mächtigen Geheimnisse der Magie einzudringen.
„Ich habe dir nichts zu verzeihen. An mir ist es, mich zu entschuldigen für mein unbehrrschtes Verhalten.“
Mit diesen Worten trat der Graue Lord aus der Dunkelheit auf der entfernten Seite des Labors. Liebe und Ehrfurcht wallten in Therons Herz auf für die hochgewachsene Gestalt in grauem wallendem Gewand, der ihm vor allen Dorfjungen den Vorzug gegeben und ihn zu seinem Lehrling erkoren hatte, mit dem Versprechen, ihn als Gegenleistung für seine Dienste einzuweihen in die Geheimnisse des Universums, der Magie und der Physik, und ihn eines Tages zu einem Erzmagier aller metaphysischen Künste zu machen.
„Ich wollte dich nicht stören, Meister,“ beeilte sich Theron zu sagen, „Aber es ist schon sehr spät, und ich.......“
„Wie ich schon sagte, mein Sohn, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich entsinne mich wohl des Eifers der Jugend. Und du hast viel davon in meinen Dienst gesteckt. Ich nehme dir deine Ungeduld nicht übel, nach Vibor zurückzukehren.“ Ein Lächeln huschte über sein Antlitz. „Wenn ein Mägdlein wie deine Veyla auf mich wartete, ich wollte auch nicht säumen.“
Der Graue Lord neigte seinen Kopf etwas zur Seite, während sein Gesicht eine verträumte Miene annahm. Schon öfters hatte sich Theron gefragt, ob sein Meister einsam sei in seiner Abgeschiedenheit hier im Verlies unter dem Mont Anaias, dem heilgen Berg voller Lava und Kristalle, von dem das Gerücht umging, das er den Stein der Macht beherberge, die Kugel, die das Eis geschmolzen hatte, die Ursubstanz, die Zwerg, Gnom, Elf, den Menschen und den Hohen Lord hervorgebracht hatte.
„Also dann,“ meinte der Zauberer, indem er die Gedanken beiseite schob, die ihn offenbar bewegten, „es ist Zeit, daß du dich aufmachst, meine Henna-Ranke zu holen. Zieh dir deinen Mantel um.“
Auf einen Wink des Grauen Lords öffnete sich ein mit Eisenverzierungen und Smaragden bedeckter Schrank, in dem Therons magischer Mantel aus flüssigem Silber schillterte. Er kam durchs Zimmer geschwebt und legte sich von selbst um die Schulter. Der Zauberer zupfte ihn noch etwas zurecht – die bloße Berührung sandte einen Schauder von Mana durch Therons Körper – während der Meister ihm die Kapuze über den Kopf zog.
„Eine harmonische Reise wünsche ich dir, junger Freund.“ Der graue Lord hob seine lichte Hand zum Segen.
Sein Famulus fiel vor ihm auf die Knien. „Ich suche das Gleichgewicht in allen meinen Taten, mein Lord.“
Der Graue Lord runzelte die Stirn: „Ich bin dein Meister, Theron, aber nicht dein Lord. Wie oft soll ich dir das noch sagen? Ich wünschte, wir hätten diesen Namen niemals angenommen. Hoher Lord.“ Seine Stimme klirrte mit eisiger Ironie.
„Wir sind nicht höher gestellt als ihr, obwohl es euch manche in ihrer Vermessenheit glauben machen wollen. Wir schlummerten im Eis neben den anderen Rassen, wir sind das Werk des gleichen Schöpfers.“
„Jawohl, Sir,“ stimmte Theron pflichtbewußt bei obgleich er, wie ganz Viborg, wußte, daß der Graue Lord aus anderem Stoffe war als sei alle. Es war im allgemein bekannt, daß die Hohen Lord Götter waren und der Graue Lord der höchste unter ihnen. Mehr als einmal hatte er mit eigener Hand Menschen vor Krieg und Zwist gerettet und vor seinem eigenen Verwandten, dem Magier Whisdain. Und jetzt, statt die Weltherrschaft zu übernehmen, die ihm angeboten worden war, hatte er beschlossen, in einem eigenen, abgeschiedenen Verlies in vollkommener Zurückgezogenheit sein Dasein zu fristen, in dem Bestreben, Antworten zu finden auf die vielen Fragen um Ursprung und Sinn des Lebens, um das, was die Welt am Innersten zusammenhält, und in der Hoffnung, eine Welt der Harmonie und des Gleichgewichts zu schaffen.
Gemeinsam legten Meister und Lehrling das kurze Stück Weg zu der Kristallkugel zurück, die sie beide für kürzere Fahrten – wie etwa die nach Vyborg – benutzten. Theron trat ein und kreuzte seine Handgelenke unter den weiten Falten des Mantels.
„Gehe in Harmonie, Theron.“
„Ich suche das Gleichgewicht, Grauer Lord.“
Die Steinernen Mauern von Therons Heim begannen zu verschwinden, Schatten stiegen hinter dem Schimmer der Kristalle auf, und legten sich über die Truhen verwurmten Bücherregale, über den Tisch, an dem der Graue Lord und Theron ihre Mahleiten zu sich nahmen und Schach spielten und sich in die Philosophie der Alten vertieften. Und senkten sich auch über den Grauen Lord, dessen Augen glänzten, als er von Theron Abschied nahm.
--Fast schien es Theron als glitzerte eine Träne im Auge des Meisters.
Und dann, plötzlich, breitete der Zauberer seine Arme weit aus und stieß erregt hervor: „Theron, ich hab’s gefunden!“
Theron, verduzt: „Den Stein der Macht?“
„Ja! Wie ich schon immer vermutet hae, liegt er in den Flammen des Gebirges.“
Die Kristalle blendeten Theron; er wußte, das er seine Augen schließen sollte, aber er versuchte, verzweifelt, etwas zu sehen.
„Meister, das ist wunderbar!“
Das Antlitz des Grauen Lords verschwamm vor seinem Blick. „Ja. Wenn wir das nächste Mal zusammenkommen, werde ich dir eine Dämmerung zeigen, die heller ist, als du es dir vorstellen kannst.“
Während Theron in seiner Kugel noch blinzelte, öffnete sich das Gehäuse, das den Feuerstab enthielt, langsam. Der Zauberer streckte seine Hand danach aus und zog das Instrument mit einem machtvollen Schwung heraus.
Theron hämmerte gegen die Kristalle.
„Nein, Meister! Du hast vor, den Stein der Macht zu holen, während ich weg bin. Du schickst mich weg, damit du es alleine tun kannst. Mein Lord, warte auf mich. Tu s nicht alleine, nein.“
Theron schrie auf, als die Kristalle rund um ihn zu erstrahlen begannen. Er sah Monde und Sonnen, fallende Sterne und einen Glanz, der ihm sein Augenlicht zu rauben schien: golden, nicht silbern, nicht weiß, so weiß- glühend wie die sterbliche Seele, wie das Herz eines Hohen Lords, wie das Eis, in dem die Urahnen geschlummert und dem sie entsprungen waren.
Er fiel auf seine Knie und bedeckte seine Augen. Eine Masse umhüllte ihn, eine Form von Mana, stärker als alles, was im je widerfahren war; es traf ihn wie ein Blitzschlag und schmetterte ihn auf den Boden der Kugel.
Sicher und behütet im Inneren der magischen Eiche, die sein Bestimmungsort war, kam Theron zu sich und setzte sich auf.
Noch benommen vom Schlaf, erhob er sich langsam, In seinem Kopf gingen seltsame Dinge vor. Etwas Beunruhigendes hatte sich im Labor zugetragen, ehe er seine Reise angetreten hatte. Irgendetwas mit seinem Meister. Er versuchte sich zu besinnen. Ohne Erfolg. Er konnte sich nicht einmal erinnern, in die Kristallkugel gestiegen zu sein.
Verstört trat er aus der Eiche heraus wo ihn ein Schauer von schweeweißen Apfelblüten empfing.
Veyla, seine Verlobte, lachte. Sie saß über ihm im Apfelbaum und schüttelte einen Ast, so daß Theron ganz von Blüten bedeckt war.
„Harmonie, Theron!“ floetete sie und streckte ihm ihre zarte kleine Hand entgegen. „Den ganzen Tag habe ich auf dich gewartet!“
Warten. Es hatte etwas mit warten zu tun. Damit, daß er seinen Meister gebeten hatte, auf ihn zu warten. Aber wozu? Theron rieb sich das Kinn. Sein Gedächtnis ließ ihn vollkommen im Stick.
„Theron!“ Veyla trällerte unbeschwert vor sich hin. „Willst du mir nicht runterhelfen?“
Theron gab sich einen Ruck. Was immer es war, es würde ihm schon wieder einfallen. Vielleicht hatte er auch nur geträumt. Das wäre nicht das erste Mal gewesen.
Er schaute vergnügt zu Veyla hoch und sagte,“Laß mich erst meinen Mantel ausziehen. Du weißt doch, das dich die bloße Berührung töten würde.“
„Aber beeil dich! Ich möchte nicht ewig auf meinen Kuß warten!“
Theron legte seinen Mantel ab, hing ihn über einen Ast und nahm seine Geliebte in den Arm. Sie war so wunderschön; sie duftete nach frischen Äpfeln und Rosen, und ihr Haar war so glänzend und weich wie der Pelz eines Hasen. Theron konnte den Tag nicht erwarten, an dem der graue Lord ihm die Erlaubnis geben würde, sie zu ehelichen. Wenn er einmal ein Erzmagier sein würde – ach so vieles hing davon ab!
„Oh, Veyla,“ sagte er seufzend und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar, „Wie gerne möchte ich bei dir verweilen, doch ich habe einen Auftrag für meien Meister zu erledigen.“
Veyla zog ihre Brauen zusammen. „Aber du hast mir doch gesagt, der Graue Lord hätte dir erlaubt, die Nacht in meines Vaters Taverne zu verbringen.“
„Habe ich das wirklich gesagt?“
„Ja. In der Nacht des Vollmonds. Weißt du nicht mehr?“
Wieder überkam Theron dieses seltsame Gefühl. Geistesabwesend strich er Veyla über das Haar. Wie hatte er ihm so etwas entfallen können? Und was für andere Dinge mochten aus seinem Gedächtnis entschwunden sein.
„Ganz bestimmt, Theron, du kannst meinen Vater fragen. Du wirst bei uns bleiben. Es ist schon alles vorbereitet. Auch ein sicherer Ort für ........das da.“ Veyla deutete etwas verlegen auf seinen Mantel. Theron wußte das sie Angst davor hatte.
„Du weißt, daß ich nichts lieber täte als, bei dir und deinem Vater zu bleiben.“ erwiderte Theron, indem er versuchte seiner Verlegenheit Herr zu werden. Die Belohnung für seine Worte war ein Kuß.
„Komm jetzt, mein Lieber.“ Veyla nahm seine Hand fest in ihre und zog ihn mit sich. „Vater hat ein Festmahl für dich zubereitet, und die weise Frau wartet schon auf dich mit dem Henna für deinen Meister. Dann können wir beide am Fluß miteinander träumen.“
„Wie soll ein Mann einem solchen weiblichen Ansinnen widerstehen?“ fragte er sich, und zum erstnmal wurde ihm klar, daß er kein Junge mehr war. Er war ein Mann von Welt und außerdem der getreue Famulus des Grauen Lords. Er war ein sterblicher von einiger Würde. Seine Mutter hatte bestimmt gesagt, er sei ein guter Fang für jedes fesche Mädchen. Und er hatte es ja nur auf Veyla abgesehen.
Sie aßen sich dumm und dußlig diesen Abend, es gab den feinsten Rehbraten und der Vater schenkte vom besten Starkbier aus. Mit seinem Mantel an einem Haken über dem Bett schlief Theron den Schlaf des Gerechten, mit einem zufriedenen Lächeln auf seinem Gesicht...
------------------------------------------------------------
Die herrlichsten Dinge kamen ihm im Traum vor in dieser Nacht, sein Hochzeitstag, sein zukünftiges Leben mit Veyla. Der Graue Lord hatte ihnen beiden ein Häuschen an der Flanke des Berges versprochen, mit Schafen und Gänsen, und einem Wasserfall, der sich in einen Teich ergoss (eine Kleinigkeit für jemanden mit seinen magischen Kräften): Theron und sein Meister würden auch Veyla in ihre Geheimnisse einweihen – nicht in alle, vielleicht. Manche Weisheiten bleiben mit Vorteil den hohen Lords und den Erzmeistern vorbehalten, manche waren nur für den hohen Lord zugänglich.
Geheimnisse, Theron zuckte in seinem Schlaf zusammen. Da war irgend etwas Besonderes gewesen bei seinem Abschied....Geheimnisse......Die Enthüllung von geheimen Dingen....
Und dann verschwanden die poetischen Bilder und wichen einem schrecklichen Alptraum. Er stand plötzlich Todesängste, fühlte sich in zwei Teile gerissen. Seine eigenen Schreie widerhalten in seinem Ohr, als er sich aufbäumte gegen die lodernde Pein, die durch seine Glieder fuhr, sein Fleisch, seine Eingeweide. Sein Haar glühte, seine Knochen barsten. Er glaubte, seine letzte Stunde sei gekommen.
Er fand sich auf einem Hügel, bedeckt mit versengtem Reisig. Die Bäume waren allesamt schwarze Gerippe, braune verschrumpfte Häute hingen in Fetzen dort, wo früher rote Äpfel und saftige Pfirsiche baumelten. Der Himmel war ein rotes, im Rauch erstickendes Meer, und sein Dorf war eine einzige Ruine, Soldaten jagten kleine Kinder durch die Straßen, Heulen und Wehklagen füllte die Luft; an sein Ohr drang das Grollen des Donners, und er schloß krampfhaft die Augen.
Als er sie wieder öffnete, hing er über der Erde und erblickte unter sich Heerscharen von berittenen Soldaten. Krieg. Hungersnot. Der schwarze Tod. Not und Elend war über die Bevölkerung gekommen, wohin er auch blickte.
Schreckenserfüllt raste Theron durch seinen Alptraum. Flog vorbei an den verdorrten Bäumen, der verbrannten Erde; der Himmel öffnete seine Schleusen und eisiger Regen peitschte ihn, der Sturm trieb ihn vor sich her wie eine Feder.
Er hüllte sich fester in seinen Mantel und schrie,“Nein, Meister! Tu es nicht, solange ich weg bin! Tu es nicht, mein Lord! Warte auf mich!“
Er hob die Hände über seinen Kopf ---- und sah durch seine eigenen Hände hindurch, Fassungslos starrte er auf seinen Körper und realisierte, das er vollkommen durchsichtig war.
„Es ist alles ein Traum,“ redete er sich selbst zu. Es war ein überaus lebendiger Traum gewesen, sicher, aber hatte ihn der Graue Lord nicht davor gewarnt, daß mit zunehmender magischer Kraft Visionen auch im Schlaf auftauchen würden?
„Nein“, sagte eine Stimme in sein Ohr.
Theron blinzelte, und die Erscheinung war verschwunden. Er befand sich in den Vorhügeln des Mont Anaias, vor den Toren zum Verlies seines Meisters.
Theron wandte sich um. „Wer spricht zu mir in meinem Alptraum?“
„Kein Traum. Kein Alptraum.“
"Enthülle dich!“ befahl Theron.
„Geht nicht.“
„Ich gebiete es!!“ Er erhob seine Hand aus dem Mantel in einer Geste magischer Kraft, ballte seine Hand dann zu einer Faust und sprach den Zauberspruch des Sehens.
Für eine kurze Zeit war eine schwache Leutkugel vor der Pforte zu sehen, die jedoch gleich wieder verschwand. Theron wiederholte seine magische Geste. Das Licht wurde stärker.
Es war die Kristallkugel aus dem Laboratorium des Grauen Lords. Im Inneren war eine in Weiß gehüllte Figur zu erkennen, das Antzliz verdunkelt.
„Theron,“ keuchte die Gestalt mühsam.
Theron wich drei Schritte zurück. „Meister?“
„Theron,“ sagte die Stimme nochmal. Das Licht wurde intensiver. Der Famulus erkannte das Gesicht des Grauen Lords und rannte mit ausgestreckten Armen auf die Kugel zu.
„Meister, Meister, sag mir was vorgeht. Es muß eine grausame Täuschung sein. Ich bin vor wenigen Stunden eingeschlafen, und...............“
„Nein,“ sagte Therons Meister. Er war in Weiß gewandet, nicht in sein übliches Grau, und Theron wunderte sich, ob sein Gesicht deshalb so verkrampft schien, seine Lippen so zusammengepreßt, wie vor Wut. Und seine Augen stählern und glanzlos.
„Höre mir gut zu. Das ist die Wirklichkeit.“
„Ist es nicht ein Traum?“ fragte Theron mit vor Furcht erstickter Stimme. „Wie geschieht mir?“
„Beruhige dich!“ befahl ihm der Zauberer in schnarrendem Ton. „Die Zeit ist zu wertvoll, als daß du dich jetzt hysterisch gebärden kannst.“
„Jawol, Sir.“ Theron blickte an sich herunter. „Mein Lord, welche Art der Magie hat uns zu Geistern gemacht?“
Sein Meister begann: „Ich versuchte den Stein der Macht zu finden. In meiner närrischen Begeisterung habe ich dir meine Pläne mitgeteilt, bevor du dich auf den Weg machtest, Henna von der weisen Frau in Vyborg zu besorgen.“
„Ja ich entsinne mich!“ rief Theron. „Ich hatte es vergessen, aber.....„
„Psss. Ich habe dein Hirn absichtlich verwirrt, damit du nicht durch deine Treue gezwungen fühlen solltest, bei mir zu bleiben. Ich war nicht sicher, ob ich in der Lage sein würde, die Kraft des Steins zu widerstehen.“
„Du hast den Zauberspruch entdeckt?“ fragte Theron. „Das hast du mir nie erzählt.“
„Ich habe ihn angefangen, aber ich kannte ihn nicht richtig. Als ich ihn auf den Stein anwandte, explodierte das Universum, und ich verlor das Augenlicht für ein Jahr.“
„Ein Jahr?“ entfuhr es Theron. „Ich habe ein ganzes Jahr lang geschlafen?“
„Du hast gar nicht geschlafen. Du bist entzwei gerissen worden, genau wie ich. Aber weil du nicht unmittelbar bei der Explosion dabei warst, bist du nicht von der materiellen Ebene geworfen worden wie ich. Du mußt wissen, daß ich jetzt in einem Zwischenzustand mich befinde, einer Art Vorhölle. Ich belege Halbräume. Ich kann mich nicht in der Welt umherbewegen wie du. Und deshalb mußt DU in das Verlies gehen und ihm Einhalt gebieten!“
„Wem?“ Theron versuchte verzweifelt, seine Tränen zurückzuhalten. War er sich wirklich noch heute morgen wie ein Mann vorgekommen? Und war jetzt so von Angst erfüllt wie ein kleines Kind.
„Chaos, Theron!“ Der Zauberer schüttelte seine zur Faust geballte Hand und hob sein Gesicht gen Himmel. „Als die Explosion erfolgt, trennte er sich von mir. Er, ich muß es leider gestehen, war mein böses Alter Ego. Jene wilde, unbezähmbare Seitein mir, zu der ich mich kaum zu bekennen wage. Uns allen wohntsie inne,aber meine ist jetzt frei und ungezügelt und wird der Menschheit ihren Willen aufzwingen. Und dieses Böse sucht die Herrschaft an sich zu reißen, die gesamte Zivilisation zu vernichten und alle Geschöpfe in jenen anfänglichen Zustand zurückzuverbannen, dem wir entsprungen sind.“
Der Zauberer wies mit seiner Hand auf das Verlies. „Der Böse hat das Verlies in seine Gewalt gebracht und sucht dort nach dem Stein der Macht. Er befehligt den Feuerstab, aber noch hat er den Zauberspruch nicht gerlernt, um den Stein der Macht zu befreien, obwohl alle Hinweise und Schlüssel dazu in meinem Labor versteckt sind. Ich habe meine Gedanken in den Jahren seit dem Unfall neu geordnet und kenne nun den Zauberspruch als einziger.“
„Was willst Du, das ich tun soll, Grauer Lord?“ erkundete sich Theron mit fester Stimme.
Die Gestalt zuckte merklich zusammen. „Als erstes darfst du an mich nicht mehr als an den Grauen Lord denken. Ich habe diesen Namen aufgegeben. Von nun an nenne mich Librasulus.“ Dies, das wußte Theron, war ein Wort aus der uralten Sprache der hohen Magie, zu übersetzen etwa mit ‚Wiederhersteller der Ordnung‘.
„Ja Lord Librasulus,“ sagte Theron und senkte sein Haupt zum Ausdruck seiner Lehnstreue. „Ich stehe dir zu Diensten.“
„Ausgezeichnet. Ich verlasse mich auf dich, Theron. Du mußt mir Arm und Bein sein, Augen und Geist. Bis ich im Besitz des Feuerstabs bin, kann ich nicht in das Verlies. Seit der Großen Katastrophe kann ich nur auf dieser Ebene in Erscheinung treten, hier an diesem Ort draußen, genauso, wie er drinnen sein muß. Wir sind hier, er und ich, und doch sind wir es auch wieder nicht. Du mußt den Feuerstab hierher bringen.“
Theron biß sich auf die Lippen „Aber wie soll ich in das Verlies eindringen? Ich habe doch auch keine Substanz. Bewege ich mich nicht auch in Halb-Räumen?“
Lord Librasulus nickte zustimmend. „Das lob ich mir, Theron. Logisches Denken. Ich war dir ein guter Lehrer. Gleichwohl gibt es manche Handlungen, die du tun kannst, die mir verwehrt sind. Handlungen, die du erbringen mußt, wenn ich Lord Chaos Einhalt gebieten soll. Diesen Namen hat er sich jetzt zugelegt. Er ist jetzt der Meister meines Verlieses. Du mußt es wieder in meine Gewalt übergeben.“
„Das Verlies?“ Theron versuchte, den Zauberer nicht aus den Augen zu verlieren, als die Kugel zu flackern begann.
„Der Feuerstab! Siehst du den nicht? Mit ihm habe ich die Macht, in das Verlies einzutreten und den Stein der Macht zu holen. Dann werde ich das Chaos verbannen und in die Welt wird eine neue Ära der Ordnung Einzug halten!“
„Aber.........“
„Meines Bleibens ist nicht länger. Du mußt mich jetzt anhören. In den Jahren, die seit der Katastrophe verstrichen sind, habe ich sterbliche Helden in das Verlies entsandt, in der Hoffnung, sie könnten den Feuerstab an sich bringen. Leider, leider sind sie alle bei dem Versuch umgekommen.“
„Alle?“
„Es waren doch nur einige Hundert. Ein kleines Opfer, wenn man das Schicksal von Millionen in Betracht zieht. Sie waren nicht genügend diszipliniert, konnten sich nicht konzentrieren. Sie fingen an, sich gegenseitig zu bekämpfen, ließen sich durch die Verlockungen der reichen Schätze ablenken von ihrem eigentlichen Ziel. So fanden sie den Tod.“
Theron wurde es kalt ums Herz. Wie blutlos sein Meister über diese Dinge sprach. Aber wie müde er schien, wie gepeinigt. Vielleicht hatte er seine Gefühle aufgeben müssen, um eine unerträgliche Schuld mit sich herumschleppen zu können.
Theron nickte nur und sagte leise, wie zur Bestätigung „Sie fanden den Tod.“
„Lord Chaos erhängte 24 unter ihnen an einem Ort, den er den Platz der Helden nennt. Es ist eine Trophäen-Halle. Er hat sie dort in magischen Spielgen eingesperrt. Sie sind eingefroren, gehängt, tot und gleichzeitig untot. Er hat sie dort aufgestellt als Mahnmal und zur Abschreckung aller die meine Sache vertreten.“
Lord Librasulus schritt in der Kugel auf und ab. „Du mit deinen fortgeschrittenen Kenntnissen der Künste kannst die Halle betreten und sie alle aufwecken. Ich habe genügend Kraft, dir beizustehen, aber nur für vier Seelen. Du kannst dir vier auswählen, aber nicht mehr. Sie werden dich nicht sehen, aber dein Einfluß und dein Wissen werden sie durch das Verlies und zum Feuerstab geleiten.“
„Und ich soll entscheiden, welche von ihnen ein neues Leben erhalten sollen?“ fragte Theron bescheiden. „Eine schwere Bürde.“
„Du kannst, wenn du willst, ihre Lebensenergie auch dazu verwenden, um Helden zu kreieren, die mehr deinem Geschmack entsprechen,“ erläuterte Lord Librasulus engerührt.
„Wie bitte?“ Theron riß seine Augen weit auf.
„Ja, wie ich sagte. Ich kann dich dazu bevollmächtigen. Vielleicht bist du der Meinung, daß ein weiterer Geselle mit deinen eigenen Fähigkeiten für die Aufgabe besser geeignet ist. Oder vielleicht brauchst du intelligente Helfer und kannst auf Kraftprotze verzichten. Du kannst entscheiden, wie du willst.“
„Das ist doch fast.....Blasphemie, mein Lord.“
Der Zauberer überhörte ihn gefließentlich. „Du wirst deine Helden führen, so, wie ich dich jetzt führe, als ein Geist ohne Form und Substanz. Sie müssen sich fortbewegen und agieren in der Welt, sie, die noch immer Teil der Welt sind. Mach dich schnell auf, Theron, in das Verlies, um die Erlöser der Menschheit zu befreien. Triff deine Wahl weise, den von ihr hängt das Schicksal ab.“
„Aber wie soll ich wählen?“ fragte Theron, verwirrt. „Was für Gefahren werden sie ausgesetzt sein?“
„Lord Chaos hat meine Experimente pervertiert. Er hat tödliche Rätsel geschaffen, die zu lösen sind. Er hat es verstanden, meine Liebe zur Logik ins Gegenteil zu verkehren und sich über mich zu mockieren. Er hat abscheuliche Monster erzeugt. Die wenigen, die aus dem Verlies entkommen sind, haben mir berichtet, manche der Monster seien ursprünglich Sterbliche gewesen, die er gefangengenommen und verwandelt habe. Ich entsende dich in die Hölle, Theron, aber es MUSS sein.“
Die Kugel zerbarst in Tausende von Scherben. Theron bedeckte sein Gesicht und rief, „Wie soll ich wählen? Was soll ich tun?“
Als die Kristalle der Kugel zur Erde fielen, brachte der Wind das Echo des Zauberers Befehl an Therons Ohr zurück: „Gehe in das Verlies und schaue dir die Helden in ihren Grüften an.
Schau in ihre Seelen und sieh, aus was sie gemacht sind.
Schaue gut....“
Er sandte seinen Geist durch die Pforten des Verlieses hindurch und erforschte die Tunnels, die Passagen und Winkel der Halle der Sieger. Es herrschte Finsternis, Verzweiflung, Schrecken, Gewalttätigkeit.
Ein Hauch des Todes.
An den Wänden der verruchten Katakombe sah er die Spiegel und darin die erstarten Helden. Männer, Frauen, Zwerge, Elfen und Geschöpfe, die er niemals zuvor erblickt hatte – einen Echsenmann, ein Hunde Ding. Ihre gläsernen Augen starrten ihn voller Flehen an.
„Hilf uns, befreie uns“.
Theron hilft vor dem Gesicht einer Elfenfrau an. Sie war so schön und zierlich wie Veyla, mit hellbraunem Haar und den entschlossenen zügen einer Kämpferin, mit einem weißen Gewand, das ihr lose von den Schultern fiel. Gerührt streckte er seine Hand nach ihr aus, durch den Spiegel hindurch.
Und da durchfuhr ein Aufschrei seine Schläfen.
**************************
Er fiel in einen Abgrund, einen Schacht, Felsbrocken und Fackeln und die gekrümmten Leiber von vier Personen stürzten an ihm vorbei, bis sie alles auf einem einzigen Haufen liegenblieb. Ein hölzerner Balken krachte auf den Rücken eines Greies mit weißem Bart. Er schrie auf und verstummte. Ein Elf landete auf einem starken, tolpatschigen Jungen, der nur mit einem Lendenschurz bekleidet war, der Elf hatte versuchte seinen Fall zu mildern, indem er sich zu einer Kugel formte.
„Syra!“ schrie der junge Elf. Ein Breitschwert traf seine Schläfe und streckte ihn darnieder
Theron machte sich auf den Aufprall gefasst, aber irgendwie schwebte er über dem ganzen, wie ein hilfloser Zuschauer. Er hatte ein komisches Gefühl im Magen, als ihm bewußt wurde, das er einer Szene aus der Vergangenheit bewohnte, und daß die vier Beteiligten längst in den Spiegeln eingekerkert waren. Es überkam ihn eine Vorahung, daß er ihrem Tod weiwohnen würde, und er wünschte aus der Tiefe seines Herzens, es hätte doch jemand anderer als er mit dieser Mission betraut werden mögen.
Der Bärtige trug die Gewandung eines Propheten. Der muskulöse junge Mann war offenbar ein Barbar. Den anderen konnte man für einen Dieb halten – einige der Taschen an seinem Ledergürtel waren geborsten, so daß eine Handvoll Edelsteine und viele wertvolle Kleinigkeiten auf den Erboden fielen.
Und die wunderschöne Elfe, die er in der Halle gesehen hatte, was war mit ihr? Ein Stab aus Eichenholz lag neben ihr. Er trug das Wappen derer, die den Eichenhain pflegten, in dem der magische Baum stand – oder gestanden hatte, bevor die große Katastrophe eingetreten war.
Nach einer geraumen Weile rührte sich der alte Mann unter dem Balken „Syra,“ keuchte er.
Theron schluckte schwer, als sie keine Antwort gab. Doch da stöhnte sich und öffnete die Augen.
„Nabi!“ Sie kletterte über ihn und versuchte, den Balken von seinem Rücken zu bewegen. Ihre Hände waren zerschunden und blutig.
„Halk! Alex! Helft mir!“
Der Mann namens Nabi schnappte nach Luft. „Die Karte. Ich habe sie beim Sturz fallengelassen. Es tut mir leid, Kind, ich fürchte, sie ist verloren.“
„Na, das ist wirklich gut,“ schimpfte der Barbar und säuberte sich von Kies und Steinen, indem er sich aufrichtete. „Keine Karte. Hat es nicht ausgereicht, daß du den Schacht geöffnet hast?“
„Kannst du dich aufsetzen, Nabi?“ fragte Syra. Sie fing an zu weinen, als der Alte den Kopf schüttelte.
Der Barbar rollte die Augen. „Es wird immer besser und besser. Wir haben einen verletzten Anführer, ein hysterisches Frauenzimmer, und Alex Ander ist kaltgemacht.“ Er stieß den Ohnmächtigen in die Seite. „Immerhin noch am Leben.“
„Oh,“ sagte Syra sanft. „Ist er schwer verletzt?“ Sie schien unentschieden in ihrer Sorge um Nabi und Alex Ander.
„Wie soll ich das wissen?“ schnappte Halk zurück. „Ich bin doch kein Priester.“ Er zeigte auf den Propheten, der quer über Syras Schoß gestreckt lag. „Der tut’s wohl nicht mehr, was?“
„Halk sei still,“ stieß Syra zwischen zusammengepreßten Zähnen hervor. „Du hast ein Feingefühl wie ein Troll!“
Halk grunzte und gab Alex ein paar Schläge auf die Wange. „Wach auf. Jetzt nicht schlapp machen. Wir müssen hier raus.“
„Ich werde noch ein paar heilende Tränke mischen,“ meinte Systa zu Nabi. „Es tut mir leid, ich hätte welche auf Vorrat mitnehmen sollen,“ Sie griff in ihre Tasche und holte eine leere Flasche heraus.
„So ist es besser,“ rief Halk, als er Alex Augenlieder öffnete und in seine Augen sah. „Wenn dir deine Zaubersprüche etwas geläufiger wären, dann hättest du einen gewußt ,um die Sehkraft des Alten zu stärken!“
„Zu dumm, daß wir auf dich angewiesen sind.“ Syra umschloß mit der Hand den Säbel, den sie um die Hüfte geschnallt hatte. „Allmählich gehst du mir wirklich auf den Nerv, du Barbar.“
Der Barbar richtete sich auf. „Hör mir gut zu, du Naturkind. Ich habe meinen Teil geleistet. Ich bin ein Meister meines Fachs. Unter euch Anfängern bin ich der einzige, der sich auf seine Profession versteht.“
Nabi bedachte Syra mit einem bedauernden Lächeln, „Es tut mir leid, daß ich so unvorsichtig gewesen bin. Halk hat recht; ich war so unbedacht, den Schacht zu öffnen.“
„Du hast den Hebel nicht sehen können, es war zu dunkel“, warf sie ein und strich ihm eine Strähne aus der Stirn. „Ich wird jetzt mal nach Alex schauen. Bleib still liegen.“
Sie erhob sich unsicher und begab sich hinüber zu Alex. Sie verlor ihren Halt auf dem Geröll und schlitterte ein Stück nach unten, hielt sich jedoch an einer Planke fest.
„Üble Sache,“ brummte Halk mißmutig.
Syra warf ihm einen feurigen Blick zu. „Wir waren nicht in dieser blöden Lage, wenn du nicht darauf bestanden hättest, dierser Truhe nachzujagen. Es war die reinste Zeitverschwendung.“
„Ich brauche Rüstung,“ verteidigte sich Halk. „Außerdem hätten auch Lebensmittel drin sein können.“
„Sieht aus, als sei keiner zu Schaden gekommen,“ grinste Alex Ander, indem er sich auf seine Ellbogen stützte und Syra einen belustigten Blick zuwarf. „Ihr beide liegt euch wie immer in den Haaren.“
Wortlos schüttete Syra den Kopf. Sie warf dem gutaussehenden Mann einen Blick zu, der Theron in keinem Zweifel darüber ließ, daß die beiden sich liebten, und sein Herz war voller Mitgefühl.
„Nabi,“ flüsterte sie.
„Oh nein.“ Alex schloß seine Augen und suchte nach ihrer Hand. Für eine Weile saßen sie still und trösteten einander.
„Beginnt eine neue Karte,“ sagte Nabi mit größter Anstrengung. „Das ist unerläßlich, wenn ihr überleben wollt. Und Halk hat recht. Ihr müßt größte Vorsicht walten lassen beim Erkunden des Verlieses, selbst bei den Sackgassen. Ihr könnt nie im voraus wissen was euch erwartet.“
„Ja.“ Alex öffnete seine Augen und nickte zustimmend. „Wir haben ein paar tolle Sachen gefunden.“
„Bah! Wie etwa Kronen und Halsketten?“ Halk warf ein paar weitere Steine hinunter zu dem übrigen Geröll auf der Halde. „Wenn du nicht diesen ganzen Ramsch mit Dir rumtragen würdest, Dieb dann wärst du nicht zu müde zum Kämpfen. Du warst überhaupt keine Hilfe gegen den Troll.“
„Du hättest dich nicht gegen die Wand lehnen sollen,“ gab Alex zurück, „Dir haben wir das zu verdanken. Nabi hatte uns doch gewarnt, das es überall versteckte Schalter und Auslöser gibt.“
Halk verkreuzte seine Arme. „Das war nicht zu sehen auf der verfluchten Wand! Ein Brunnen.........“
„Nur weil du es nicht sehen konntest........“
„Dafür habe ich den Schacht gesehen.“ Halk rieb sich seine schmutzigen Hände an seinem Lendenschurz und gestattete sich einen Trunk aus seiner Kürbisflasche. „Die Umrisse waren so klar wie Tageslicht. Und wenn wir schon beim Tageslicht sind, irgendeinem Gott müssen wir diese Fackel da drüben verdanken. Dieser vermaledeite Ort wäre so dunkel wie eine mondlose Nacht, wenn die nicht da wäre. Unsere sind ja alle längst nicht mehr zu gebrauchen.“
Syra verließ Alex und kehrte wieder zu Nabi zurück. Mit großer Zuneigung und Anteilnahme berührte sie seine Stirn. „Wir werden schon herauskommen, Nabi sei nicht....“
„Dieses ganze Geschwätz taugt doch zu nichts. Wir sollten endlich anfangen, nach einem Ausweg zu suchen.“ Halk stellte sich auf seine Füße und begann, sich durch das Geröll zu wühlen. „Lokis Blitz und Donner, wo ist mein Schwert?“
Die Atmosphäre in dem Korridor änderte sich schlagartig. Theron fühlte es mit der Gleichen Gewißheit, wie wenn jemand einen Eisblock in seinen Nacken gehalten hätte. Eine Angst überkam ihn wie ein eisiger Strom. Er wollte sie waren, wollte ihnen zurufen, zu fliehen, aber er war machtlos. Er konnte nur zusehen, wie sich die Vergangenheit vor ihm entfalltete.
„Hier ist es!“ verkündete Halk, indem er das Breitschwert hochhob, welches Alex Ander die Sinne geraubt hatte. „Wenn ich jetzt noch ein Kettenhemd oder auch nur einen Helm hätte, dann wäre ich unbezwingbar!“
„Nur ein bißchen schwerer umzubringen,“ sagte Syra.
Ganz plötzlich erzitterten die Wände in einem gewaltigen Beben. Riesige Steinbrocken fielen von der Decke und Syra beugte sich über Nabi, um ihn zu schützen.
Zwei große Tore öffneten sich am Ende der Passage. Sie barsten auf und in der Öffnung erschien ein grelles, sengendes weißes Licht.
„Gott bewahre uns,“ flüsterte Nabi. „Ich sehe ihn! Es ist der finstere Lord, vor dem man uns gewarnt hat! Lauft was ihr könnt!“
Das Grollen wurde zu einem ohrenbetäubenden Getöse, Ein rhythmischer Donner ließ das Gestein erzittern --- die Fußstapfen der Verderbnis.
„Flieht, flieht!" schrie Nabi, heiser vor Verzweiflung.
„Nabi hat recht,“ sagte Alex. „Wir brauchen die Fackel.“ Er bahnte sich einen Weg durch das Geröll und versuchte die Fackel aus dem Halter zu reißen.
„Ich krieg sich nicht raus!“
„Ich lauf nicht davon! Ich bleibe und werde kämpfen!“ rief Halk prahlerisch, indem er den Koridor entlang rannte auf die Pforten zu. „Ich habe Oitus bekämpft und lebende Skellete und Tausend Dinge, die ich nie zuvor gesichtet hatte, und bei den Knochen von Whisdain, ich bin noch nicht zu alt zum Kämpfen!“
„Macht, daß ihr fortkommt! Flieht!“ Nabis Brust hob und senkte sich mühsam. „Ich sehe ihn kommen, mit seinem schwarzen Umhang und seinen Hörnern. Schnell!“
Syra befeuchtete sich nervös die Lippen. Theron sah mit Bestürzung, wie ihr Gesicht sich mit Entschlossenheit verhärtete. Er wußte, sie würde bleiben, um den Alten zu beschützen.
„Vielleicht kann ich ihn ablenken,“ meinte sie. „Immerhin bin ich ein Zauberlehrling.“ Sie reckte sich, hob ihren Stab vom Boden auf und gesellte sich zu den anderen, die sich in der Nähre der Tür aufgestellt hatten. Sie hielt den Stab in Richtung zur Tür. Da verfing sich ihr Kleid in einem der Leuchter unter dem Geröll.
„Mutter Mentra, sei mein Licht,“ flehte Syra. Hurtig entfachte sie die Kerzen mit der Fackel, während Alex die Fackel aus dem Halter zu entnehmen versuchte.
Hinter ihnen schrie Nabi auf. Sie wandten sich blitzschnell um.
Er selbst und eine riesige Steinmasse waren verschwunden. Wo er soeben noch gelegen hatte, glitzerte nun ein Haufen weißer Schädel. Dazwischen verklemmt war seine komplizierte Karte.
„Er macht sich lustig über uns!“ sagte Syra. Sie drehte sich erneut um und sah auf die Tür. „Also komm her, du Monster! Wir werden dich vernichten!“
„Nein, Nein! Das geht nicht!“ entfuhr es Theron, obwohl ihn natürlich keiner hören konnte. Und es war ohnehin zu spät. Grelles Licht drang an seine Augen...................
********************************************
Und so nahm es seinen Fortgang, als Theron nach den Seelen aller eingekerkerten Helden suchte, und er gezwungen war, den Tod von vierundzanzig tapferen Kämpen mitanzuschauen.
Doch endlich ging dieses schreckliche imaginäre Schauspiel zu Ende, und Theron stand verlassen am Eingang zu seines Meisters Verlies.
----------------------------------------------------------
Hiermit endete die Vorgeschichte von Dungeon Master.
Da ich Geschichten mit offenem Ende nicht mag, will ich versuchen, sie so zu beenden wie es meiner Meinung nach geschehen müßte.
Die Autorin hat ziemlich übertrieben (Zerstörung des Universums) und sich auch fleißig beim „Herrn der Ringe“ bedient.
Ich werde auf meine Art schreiben und den Barbaren auch nicht so zivilisiert sprechen lassen.
Ich hoffe jedenfalls, daß ihr etwas Spaß beim lesen haben werdet, genauso wie es mir Spaß macht die Geschichte zu Papier zu bringen.
Die Halle der Helden
Therons Geist stand vor dem Eingang des Verlieses und warf einen Blick zurück auf das versenkte Land.
Er wußte das nun alles davon abhing welche Wahl er treffen würde, und diese Bürde lastete schwer auf seinen Schultern.
Wie sollte er beurteilen, ob ein Held würdig wäre wieder leben zu dürfen?
Am liebsten hätte er alle wieder zum Leben erweckt, um sie wieder nach Hause zu ihren Familien zu schicken.
Aber dies war ihm nicht möglich, und so stand er lange Zeit vor dem Eingang und überlegte.
Ein kalter Wind wehte um den Berg Anaias und schwarzer Schnee fiel auf das verbrannte Land.
Der graue Lord hatte soviel gutes für die Menschen getan, aber in seiner Vermessenheit hatte er nicht daran gedacht, was geschehen könnte wenn er sich mit dem Stein der Macht auseinander setzte.
Manche Geheimnisse sollten niemals erforscht werden, und dies war nun auch Theron klar.
Was nütze einem Menschen grenzenlose Macht, wenn er sie nicht zu beherrschen verstand?
Der Schnee fiel durch Theron hindurch auf den kalten Boden, und ihm wurde wieder klar warum er hier war.
Die Zeit drängte, und es würde nicht mehr ewig dauern, bis Lord Chaos den Zauberspruch gefunden hatte, mit dem er den Stein der Macht mit dem Feuerstab verbinden würde, um mit diesem Werkzeug grenzenlose Macht über diese Welt zu erhalten.
Eine Macht die nur zur Zerstörung benutzt werden konnte.
Theron schüttelte den Kopf und in sein Herz verkrampfte sich, und wenn er als Geist hätte weinen können so würden ihm jetzt viele Tränen über das Gesicht laufen.
Veyla, seine geliebte Veyla existierte nicht mehr, und die einst so wunderbare Welt war nun ein Ort des Todes.
Theron erinnerte sich an die schöne Elfe, die er zuerst im Spiegel gesehen hatte.
Ihr Mut und Aufopferungsbereitschaft hatten ihn sehr beeindruckt, und selbst als Lord Chaos durch die Pforte trat, wich sie nicht von der Seite des alten Propheten.
Sie hatte ihre Weggefährten bis zu ihrem letzten Atemzug verteidigt, und wurde dann wie ein Blatt ihm Wind von der grenzenlosen Macht des Lord Chaos davongeweht.
Selbst der Barbar kämpfte tapfer, vielleicht vielmehr aus Dummheit, denn aus Tapferkeit.
Und auch Alex Ander war tapfer gewesen, denn mit dem Mut der Verzweiflung stürzte er sich, mit bloßen Händen auf Lord Chaos um seine geliebte Syra zu retten.
Diese einzelnen Taten beeindruckten Theron sehr, denn viele der anderen vierundzwanzig Helden waren durch den Anblick von Lord Chaos einfach vor Angst erstarrt, oder aber suchten ihr Heil in der Flucht.
Theron beschloß diese vier Helden wieder zum Leben zu erwecken, und ihn schmerzte es sehr sie wieder gegen das Chaos schicken zu müssen.
Aber diese vier waren die einzige Hoffnung, für die vom Untergang bedrohte Welt.
Theron schwebte wieder durch die dunklen Gänge bis er wieder in der Halle der Helden angekommen war.
Er schwebte zu dem eisigen Spiegel, in dem die Elfe gefangen war und streckte seine durchsichtige Hand aus.
Bei der Berührung durchzuckte ihn wieder dieser Schmerz, und die Szene aus ihrer Vergangenheit begann sich vor Theron wieder abzuspielen.
Theron schaut nicht hin und schloß deshalb seine Augen.
In seinem Geist formten sich die Worte, die diesen Alptraum für immer beendeten.
„Lebe.....“
Der Spiegel zerbarst und Syra lag vor Theron auf dem Boden und schnappte wie ein Fisch nach Luft.
Theron hätte sie gerne getröstet, und ihr gesagt das auch ihre Weggefährten bald bei ihr sein würden, aber als Geist war ihm das nicht möglich.
Er versuchte einige Gedanken an die Elfe zu schicken.
„Syra, beruhige dich......es wird alles wieder gut.........“
Theron glaubte selbst nicht an diese Worte, aber es war das einzige was er zu ihr sagen konnte.
Schnell schwebte Theron zu den anderen drei Spiegeln und holte die Helden wieder ins Leben zurück.
Genau wie Syra lagen sie auf dem kalten Boden und holten tief Luft.
„Wo sind wir?“ fragte Alex Ander und versuchte aus seinen Augen einen Blick auf seine Umgebung zu werfen.
Die Halle der Helden wurde durch ein magisches Licht soweit erhellt, das die nähere Umgebung zu sehen war.
„Erinnere dich......das ist die Halle der Helden, in der wir vom bösen Lord in die Spiegel gesperrt wurden.
Tot und doch nicht tot, verdammt dazu unser Ende immer und immer wieder mit ansehen zu müssen,“ sagte der alte Prophet..
Alex nickte mit dem Kopf und sein Blick suchte den von Syra.
Sie schaute ihn an und ein freundliches Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Wir wieder leben?“ fragte der Barbar, der anscheinend nicht verstand was hier vorging.
„Ich fühle das hier irgend eine Präsens ist, die uns wieder zum Leben erweckt hat,“ sagte Nabi und schließt seine Augen.
Theron spürte das er vielleicht einen mentalen Kontakt zu dem weisen Mann herstellen kann und konzentrierte sich.
Er schickte Bilder von sich, von Lord Librasulus, und den geschehenden Vorkommnissen an den alten Mann.
Nachdem Nabi einige Zeit die Bilder angesehen hatte nickte er mit dem Kopf.
„Wir sind nicht alleine, denn der Schüler von Lord Librasulus ist hier.
Er bittet uns ihm dabei zu helfen, die Welt vor der Vernichtung zu bewahren.....“
„Pah.....,“ warf Halk ein,“Das wir schon haben versucht, und sein gelandet hier in Spiegel. Ich werden nicht gehen noch einmal hinunter um zu sterben noch mal!“
Nabi sah Halk mit einem traurigen Blick an, den der weise Mann wußte das es gar keinen anderen Weg gab.
„Halk, das ist der einzige Weg der uns bleibt, denn wenn Lord Chaos den Stein der Macht unter seine Kontrolle bringt, wird alles Leben auf dieser Welt vergehen.
Wenn du wegläufst bleibt dir vielleicht noch eine kurze Zeit, eine Zeit in der du daran denken wirst die einzige Möglichkeit für eine Rettung der Welt nicht wahrgenommen zu haben.
Möchtest du mit diesem wissen Leben, und feige von hier davonrennen?“
Der Barbar überlegte einen Moment und schien einzusehen, das Nabi recht hatte.
„Halk nicht wollen sein feige, und ich verstehen das dies sein nötig. Ich werden gehen zu bös Monster und hauen ihm Kopf ab.“
Syra lächelte verbissen, denn sie wußte das dies nicht so einfach möglich war.
Schließlich waren sie schon einmal dem „Bösen“ gegenüber getreten und hatten dabei versagt.
Theron versuchte seine Gedanken auch an die anderen drei Personen zu schicken, aber niemand von ihnen reagierte auf diesen Versuch.
Theron konzentrierte sich wieder auf Nabi und schickte ihm seinen Plan, einen Plan der nur im Geist eines Verzweifelten entstehen konnte.
Nabi nickt mit dem Kopf, den anscheinend dachte er ebenso wie Theron.
„Theron ,so ist der Name des Schülers, wird immer bei uns sein, und uns auf dem Weg führen.
Er kennt viele der alten Gänge, und auch wenn Lord Chaos dieses Verlies verändert hat sind unsere Chancen besser als das erste Mal."
„Ich sollen mich lassen führen von Geist, den Halk nicht sehen können?“ fragte Halk ungläubig.
„Ja, Halk ich möchte nicht mit dir streiten, und wenn dies dir nicht zusagt so denke doch einfach daran das ich euch führen werde, genauso wie Theron mich führen wird.
Halk bitte vertraue mir und meinen Worten, denn dies ist unsere einzige Möglichkeit!“
Halk brummte einige widerwillige Worte, war dann aber doch schließlich still.
Syra und Alex haben nur still Nabi zugehört, denn sie wußten das der alte Mann immer sehr weise sprach und auch in die Zukunft sehen konnte.
Mit seiner Führung standen ihre Chancen zwar mehr immer noch mehr als Schlecht, aber sie waren bei weitem besser als wenn sie sich alleine durch das Verlies hätten schlagen müssen.
„Laßt uns aufbrechen....“, sagt Syra und Furcht aber auch Entschlossenheit schwangen in ihrer Stimme.
Nur mit den Dinge am Leib, die von den vier bei ihrem Tod getragen wurden machten sie sich auf den Weg.
Die Treppe in die zweite Ebene lag nur einige Dutzend Schritt entfernt.
„Ich haben mein Schwert verloren....“ brummt der Barbar, „Und eine Rüstung ich auch noch nicht habe....“
Mit beruhigender Stimme sprach Nabi,“Wir werden alles, und noch viel mehr auf unserem Weg finden.....“
Nabi wußte das dies ein Weg ohne viel Hoffnung war, aber solange Leben in seinem alten Körper steckte, würde er diesen Weg beschreiten, denn viel mehr als nur das Leben von vier Abenteurern stand auf dem Spiel.
Theron schwebte vor den vier Personen zur Treppe und schaute herab.
Das magische Licht war nur in der Halle der Helden wirksam, und verlor sich schnell auf der steinernen Treppe in der Dunkelheit.
Tropfendes Wasser war zu hören, aber dies war nicht das einzige Geräusch, denn noch andere weit unheimliche Geräusche drangen an sein Ohr.
Theron schwebte die Treppe hinab in die Finsternis.
Am Treppenabsatz zündete Syra die letzte Kerze an, denn eine Fackel besaßen sie nicht mehr.
„Wie sollen wir gehen Weg in Dunkelheit, wenn nur noch eine Kerze da sein?“, fragte Halk und blieb neben Syra stehen.
„Halk hat recht, mit einer Kerze werden wir nicht weit kommen,“ gab nun auch Alex seine Bedenken kund.
Theron spürte das die vier ihm nicht folgten und schwebte wieder die Treppe hinauf.
Er sah auf die Kerze und wußte wie er helfen konnte, denn sofort baute er eine mentale Verbindung zu Nabi auf.
Der alte Mann nickte plötzlich mit dem Kopf und ein freundliches Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Theron hat mir gerade gesagt, wie wir unseren Weg ohne Fackel gegen können.......“ sagte Nabi, wurde aber von Halk unterbrochen.
„Weg gehen ohne Fackel sein nicht möglich, weil niemand kann sehen in Dunkelheit!“
„....denn Theron kennt einen Zauber, um magisches Licht zu erzeugen,“ spracht Nabi weiter ohne auf die Worte von Halk zu hören.
Nabi nahm aus seiner weiten Robe ein Blatt Pergament und einen Bleistift, und malte dann unzählige Runen auf das Papier. Er zeichnete die Dinge auf, die Theron ihm gerade mitgeteilt hatte.
Nach einig Zeit war er fertig, und begann damit den anderen die Grundlagen der Magie zu erklären.
Vom Ursprung der Magie (verfaßt vom Grauen Lord) (OT: Der Text über die Magie ist nicht von mir)
Das wenige, das wir über die Magie wissen, untersteht nicht den Maximen der Naturwissenschaften, sondern den obskuren, ungeregelten Prinzipien der Kunst. Laß dich deshalb warnen: Der Weg der Erkenntnis ist beschwerlich.
Am Anfang gab es keine Magie, mit Ausnahme der allerhöchsten Magie, welche der Ursprung allen Lebens ist. Im Verlauf der Zeit lernten die Menschen, sich die Magie über das Mana zu bedienen. Diese mystische Energie ist die Quelle aller magischen Kraft. Die Eingeweihten beziehen sie aus allen Dingen und spüren ihre Wirkung, so wie man den Wind spürt oder die Sonnenstrahlen sieht. Für alle anderen bleibt sie unsichtbar, nicht faßlich, unbegreiflich.
Ehe du dir Wissen in der Magie erringen kannst, mußt du über das Mana lernen. Dieses kann alleine durch die Vermittlung eines anderen, Eingeweihten, geschehen. Denn es ist das Prinzip der Magie, das du das Mana kennen mußt, ehe du es gewinnen kannst. Einmal erworben, hält das Wissen ewig. Auf diese Weise haben ich und andere die Lehren durch Generationen hindurch weitergegeben.
Wisse auch, das die Macht des Mana die Macht der Natur ist, gezügelt durch den Geist. Was der Geist sich ausdenken kann, das kann die Macht der Magie in Wirklichkeit umsetzen. Und doch ist diese Kraft nicht nur durch reine Einbildung zu fassen. Sie erfordert ein Wissen um die Wahre innere Ordnung der Dinge. Es reicht nicht, daß unsere Geist sich Feuer vorstellt, um welches zu erzeugen. Er muß weiter nach innen dringen und stattdessen das wahre Wesen des Feuers erkennen. Aus dieser Notwendigkeit wurde die Kunst der Zaubersprüche geboren.
Ein Zauberspruch ist die Visualisierung und die Verbalisierung, welche der Geist auf eine bestimmte Aufgabe hin konzentriert und das Mana in die geeigneten Energiekanäle leitet. Ein Zauberspruch besteht aus Symbolen, die sowohl eine Form als auch einen Namen haben. Der Anfänger lernt den Namen auszusprechen, sowie er das Symbol in seinem Geist sieht. Jedes Symbol muß in der richtigen Reihenfolge rezitiert werden, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Aber die Magie ist nicht leicht zu fassen. Selbst mit ausreichend Mana und richtiger Deklamation kann ein Spruch sich in nichts auflösen, wenn dem Urheber die notwendige Erfahrung mangelt. Um Erfahrung zu erwerben, sollte der Magier erst die einfacheren Sprüche beherrschen, ehe er sich an die schwierigsten wagt.
Die magischen Symbole sind unterteilt in die vier bekannten Zaubereinflüsse: Kraft, Element, Form und Harmonie. Mann glaubt, daß es ursprünglich mehr waren, doch heute wissen wir nur noch um diese vier. Jeder Einfluß wird von sechs Symbolen bestimmt, welche die sechs grundlegenden Ordnungen aller Dinge darstellen. Mann kann sich dies auch als die Kombination der vier Ordnungen der stofflichen Ebene mit den zwei des ätherischen Bereichs vorstellen. Jede Ordnung jedes Einflusses wird durch einen speziellen Ton (Melodie) und ein Symbol ausgedrückt.
Auf daß du deine Fähigkeiten nicht überschätzt, wisse, daß jedes rezitierte Symbol am Mana zehrt, das in deinem Körper innewohnt. Die Menge hängt ab von der notwendigen Anzahl Silben. Die sechs Ordnungen erfordern verschiedene Mengen an Mana. Für den Einfluß ‚Kraft‘ ist die schwächste Ordnung die Silbe ‚LO‘, die mächtigste ‚MON‘. Das heißt ‚LO‘ verbraucht weit weniger Mana als ‚MON‘.
Nach und nach kann dein Körper das verausgabte Mana aus der Natur wieder auffüllen. Mit Geduld und Übung kann ein versierter Magier genug Mana speichern, um auch die mächtigsten Zaubersprüche anzuwenden.
Alle Zaubersprüche beginnen mit dem Aufruf an die Kraft. Der Einfluß der Kraft bestimmt den Wirkungsgrad eines Spruchs. Die Wahl eines höheren Kraftsymbols steigert die Kraft des Spruchs und gleichzeitig auch die Menge Mana, die zum Anfordern anderer Symbole benötigt wird.
Nach der Kraft wird der Einfluß des Elements heraufbeschworen, das dem Spruch die Substanz verleiht. Element bestimmt den eigentlichen Effekt. Viele nützliche Sprüche kommen allein mit Kraft und Element aus. So zum Beispiel der magische Fackelspruch, in der Regel der erste, den ein Zauberlehrling spricht, in dem zunächst Kraft und dann das Element ‚FUL‘ (Licht von Feuer) angerufen wird. In dem Maße, wie ein Lehrling sich Erfahrung aneignet, kann er Symbole verwenden, die besseres und stetigeres Licht bewirken.
Durch Hinzufügen der Form wird der Spruch in eine bestimmte Richtung gelenkt, Aufrufen der Form ‚KATH‘ zum Beispiel, verleiht dem gewählten Element explosive Kraft. Nicht alle Zaubersprüche benötigen Form, doch kann sich die Flexibilität dadurch erheblich erhöhen.
Der Einfluß der ‚Harmonie‘ (Alignment) verbindet das Reich der Natur mit dem des Menschen, seinen Bekenntnissen und seinen Auffassungen von Gut und Böse. Von daher sind diese Einflüsse nur schwer in ihren Auswirkungen abzuschätzen und erfordern mehr Mana. Der Neuling tut gut daran, sie dem Meister zu überlassen, und der Meister sollte sie meiden und nur im Notfall benutzen.
Wie mit allen Fertigkeiten gilt auch hier, daß der Magier nur mit Erfahrung Zugang auf höhere Ebenen Erreicht. Und nur Umsicht kann ihn vor schlimmen Fehlern bewahren.
(jetzt übernehme ich wieder)
Syra hatte Nabi aufmerksam zugehört, als er den Text vorgelesen hatte.
Zum Schluß lächelt sie den alten Mann an.
Sie schaut auf den Zettel, auf dem Nabi auch die insgesamt 24 Symbole und ihre Bedeutung aufgezeichnet hatte.
„Ich denke das dies sehr nützlich für uns sein wird! Als Lehrling der Magie habe ich sie bisher direkt die Natur angerufen, und mich nicht mit so theoretischen Wissen beschäftigte.
Ein Zauber für Licht war mir bisher unbekannt.“
Syra schaute genau auf die Symbole für Kraft und dann auf die des Feuers.
Dann stellte sie sich die Symbole genau vor ihrem geistigen Augen vor und sang mit wohlklingender Stimme ihre Namen.
„LO...........FUL.......“
Ihre Stimme halte weit durch die Halle der Helden, und auch die Treppe herunter in die Finsternis.
Er erschien so als ob die unheimlichen Geräusche für einen kurzen Augenblick verstummten, um dann um so lauter von unten herauf zu hallen.
Um Syra breitete sich ein schwaches blaues Leuchten aus, das die nähere Umgebung erhellte.
„Ich habe es geschafft...........“ waren die Worte ihrer Freude.
Alex sah seine Syra mit einem stolzen und liebevollen Blick an, und auch Nabi strahlte über das Gesicht.
Nur der Barbar sah die Elfe mit einem mißtrauischen Blick an, denn Magie waren ihm und seinem Stamm unbekannte und beängstigende Dinge.
„Gut mein Kind....,“ sagte Nabi, „Dann können wir nun aufbrechen....“
Theron schwebte während dieser Szene über den vier Abenteurern, und seine Hoffnung wuchs, denn Syra hatte es beim ersten Mal geschafft Licht herbei zu zaubern.
Theron hingegen hatte damals eine ganze Woche benötigt, um den einfachen Spruch zu erlernen.
Der einstige Schüler, der nun selbst ein Lehrer war, riß sich aus seinen Gedanken, denn er sah wie die Abenteurer vor ihm die Treppe in die Finsternis herab stiegen.
Schnell schwebte er hinter ihnen her, um sie vor allen Gefahren zu warnen.
Vielen Gefahren würden sie sich bald stellen müssen, und die Angst in Therons Herz wuchs.
Syra ging die Stufen voran, und die Dunkelheit wurde durch das blaue Leuchten in einem Umkreis von etwa fünf Schritten erhellt. Das Licht war etwa so hell wie das einer einfachen Pechfackel, und ließ die Umgebung in blau/schwarzen Schatten tanzen.
Die Geräusche waren nun noch deutlicher zu hören, und ließen die Angst in Theron übermächtig werden.
Viel gefährlicher als ein Monster konnte oft die Angst vor dem Unbekannten sein, denn Theron wußte nicht wer oder was dieses Geräusche verursachte.
Die vier Abenteurer schienen keine Angst zu haben, oder vielleicht konnten sie diese Empfindung auch sehr gut vor Theron verbergen. Dann dachte Theron daran, das die vier bereits dem absolut bösem Lord Chaos gegenüber gestanden waren, und wahrscheinlich deshalb keine Angst mehr hatten.
Nichts konnte schlimmer sein als der dunkle Lord, und Theron wagte gar nicht daran zu denken, wie er sich fühlen würde, wenn er bereits bei einigen unheimlichen Geräuschen so in Panik verfiel.
Theron versuchte die Angst beiseite zu schieben, und er dachte an seine Veyla.
Seine Geliebte hatte so viel Liebe für Theron empfunden, und dies lag nicht daran, dass er der auserwählte Lehrling des Grauen Lords gewesen war.
Theron wußte das ihre Liebe im allein galt, und selbst wenn er nur ein einfacher Bauer oder Schweinehirte gewesen wäre, so würde ihre Lieben dennoch genauso stark gewesen sein.
Theron dachte an diese unsterbliche Liebe zu Veyla, und die Angst verschwand aus seinem Herzen, und neue Hoffnung keimte in ihm auf.
Wenn auch für ihn seine Geliebte verloren war, so gab es doch noch viele junge Liebende auf dieser Welt, für die sich dieser Kampf lohnte, um ihnen eine Zukunft geben zu können.
Mit diesem Gedanken im Herzen folgte Theron den vier Abenteurern.
„Das Licht sein ja nicht besonders hell.....“ sagte der Barbar mißmutig.
„Eine Fackel würde auch nicht heller brennen.....“ warf Alex ein und schaute den Barbaren mit einem bösen Blick an, denn er mochte nicht das man schlecht über seine Syra sprach.
Auch wenn das Licht nicht besonders hell war, so hatte sie es dennoch durch ihre Zauberkraft zum leuchten gebracht.
„Wir sind hier schon einmal gewesen, der Weg führt hier lang....“, sagte Nabi und ging mit Syra voran durch den Gang. Die Wände der oberen Stockwerke bestehen aus grob zusammengesetzten Steinblöcken, und erst die tieferen Ebenen bestabden aus dem ursprünglichen Stein des Mont Anaias.
Nach einigen hundert Schritten erreichte die Gruppe ein eisernes Gitter, das durch einen Mechanismus neben dem Gitter nach oben hin geöffnet werden konnte.
„Ich erinnere mich noch genau an dieses Gitter, denn nicht weit entfernt befindet sich ein Raum in dem schon einige Abenteurer ihr Leben verloren hatten.
Wir haben damals dort einige Lebensmittel und Kleidungsstücke gefunden.
Damals hatten wir noch genügend eigene Nahrung, aber vielleicht ist noch nicht alles verdorben,“ sagte Nabi und deutete auf das Gitter.
Halk nickte mit dem Kopf, denn anscheinend hatte der große Barbar inzwischen großen Hunger bekommen.
Wenn man es genau betrachtete hatte die Gruppe seit einigen Tagen nicht vernünftiges mehr zu Essen gehabt, denn es war schwierig gewesen in den unteren Stockwerken etwas zu essen zu finden.
So manche Riesenratte, oder auch Rot-Wurm wurden dann von den vieren gegessen.
Die Nahrung war widerlich gewesen, hielt die Abenteuer bis zu ihrer Begegnung mit Lord Chaos am Leben.
Halk zog an der Kette, die daraufhin laut knirschte, vorauf sich das Gitter nach oben öffnete.
Syra und Nabi gingen voran, gefolgt von Alex und Halk, und über deren Köpfen schwebte Theron in eine große Halle
Die Halle war ziemlich groß, und das Licht vermochte nur etwa ein viertel der Umgebung zu erhellen.
Das Ende der Halle war nicht zu erkennen.
Auf einmal hörten die Abenteurer ein schlurfendes, polterndes Geräusch, das Theron das Blut in den Adern gefroren hätte, wenn er noch lebendig gewesen wäre.
Alex sah Syra besorgt an, und auch der Barbar schien über diese Geräusche nicht sehr erfreut zu sein.
Nabi schüttelte den Kopf und lief los.
„Lauft, ohne Waffen haben wir gegen sie keine Chance....“
Die Abenteurer liefen durch den Raum und Theron folgte ihnen.
Dann sah er zu seiner rechten Hand eine Tür auf die Nabi zusteuerte.
Die Tür war einmal aus Holz gewesen, aber irgend etwas hatte sie eingeschlagen und tiefe Spuren verursacht.
Die vier Abenteuer liefen in den Raum und sahen sich um.
Sie erblicken die sterblichen Überreste von unzähligen Menschen, Elfen und Zwergen.
Zerrissener Kleidung lag neben rostigen Waffen, und einige Ratten liefen aufgescheucht umher.
Bevor Theron in den Raum schwebte schaute er sich noch einmal um und erkannte was diese unheimlichen Geräusche verursacht hatte.
Etwa zehn untote Kreaturen, die wahrscheinlich einmal Menschen gewesen waren kamen auf den Eingang zu.
Einige von ihnen schienen Einmal balsamiert worden zu sein, was die an ihnen herabhängenden Binden erklären würde. Andere Skelette trugen noch die Kleidung in denen sie gestorben waren, und der helle weiße Knochen blitzte durch die verrottenden Fetzen hervor.
Therons Gefühl der Angst wurde wieder stärker, und auch wenn diese Kreaturen ihm nichts anhaben könnten, waren sie doch eine Gefahr für die anderen vier Abenteurer.
Halk wühlt hastig, in den Überresten umher, um irgend eine brauchbare Waffe zu finden.
Nach kurzer Zeit hatte er ein rostiges Langschwert gefunden, das schon eine lange Zeit der feuchten Luft ausgesetzt gewesen war, denn es war überall von Rost bedeckt.
„Hmmmm.... das sein besser als gar kein Waffe...,“ sagte Halk und ging zum Eingang.
Syra hatte einen ebenso alten Dolch gefunden und stellte sich neben Halk.
Zu den beiden stellte sich dann auch Alex, der nur einen rostigen Helm finden konnte, den er nun als Waffe verwendete.
Nabi stand hinter den beiden und sah besorgt wie die Untoten immer näher kamen, denn schließlich hatten sie es noch nie mit so vielen Gegnern auf einmal zu tun gehabt.
Theron schwebte schnell zu Nabi und stellte wieder eine Verbindung zu ihm her.
„Höre gut zu..... Die Silbe FUL ruft das Element des Feuers, welches die Essenzen von Hitze und Flamme aus der Luft und anderen Substanzen entzieht und sie für eine gewisse Zeit dem Willen des Magiers unterstellt. Durch hinzuziehen weiterer Silben kann diese Energie so konzentriert werden, dasß ihre inhärente Unstabilität zu einem verheerenden Feuerball wird.......“
Die ersten Untoten waren bereits am Eingang angekommen und wurden von Halk empfangen, der heftige Hiebe gegen die Skelette führte.
Der Barbar kämpfte wie ein Berserker und es schien als ob er für einen Augenblick den Gegner auf Abstand halten konnte.
Alex und Syra standen hinter Halk und versuchten den Eingang zu blockieren.
Nabi schaute mit starrem Blick auf den Boden und hörte den Worten von Theron genau zu.
„......Die Silbe IR gibt der Silbe FUL die Form.
IR ist ein abstrakter Flügel und verhilft sinngemäß zum Schweben oder Fliegen.
Die Beiden Silben zusammen genommen erzeugen einen Feuerball.....“
Nabi nickte mit dem Kopf und ging schnell zu Syra.
Mit seiner Hand zog er an der Schulter der Elfe und führte sie drei Schritte nach hinten.
„Mein Kind höre genau zu......denke an den Zauber von vorhin und für ihm die Silbe ‚IR‘ hinzu.
Dadurch entsteht ein Feuerball, denn wir jetzt wirklich gut gebrauchen könnten....“
Mit diesen Worten hielt Nabi das Pergament vor ihre Augen und deutete auf das Symbol 'IR'.
„Ich weiß nicht ob ich es schaffe.....“ waren Syras Worte.
„Du mußt....“ sagte Nabi und sein Blick fiel auf Halk der bereits aus einigen Wunden blutete.
Er hatte sich bisher tapfer geschlagen, aber er hatte nur zwei Skelette niederschlagen können.
Die anderen acht drangen mit unverminderter Härte auf ihn ein, aber zum Glück stand er im Eingang zum Raum, so das zur gleichen Zeit nur zwei Untote gegen ihn kämpfen konnten.
Syra hielt das Pergament in der Hand und konzentrierte sich.
Ihr Blick fiel noch einmal auf Nabi, und der alte Mann wußte was nun zu tun war, denn er stellte sich neben Alex und behielt Syra genau im Blick.
Mit kraftvoller und wohltönender Stimme sprach die junge Elfe ihren Zauber, und die Worte halten weit durch die gewundenen Gänge.
„LO.......FUL........IR......“
In ihrer Hand bildete sich ein lodernder Feuerball, der obwohl er nur so groß wie der Kopf eines Menschen war, doch eine unglaubliche Hitze ausstrahlte.
Syra nickte Nabi kurz zu, der daraufhin Halk beiseite zog und zu Boden warf.
Syra beschrieb mit ihrer rechten Hand eine werfende Bewegung und der Feuerball flog davon.
Sofort danach lief sie zu Alex und riß ihn zu Boden.
Der Feuerball flog direkt auf die im Eingang stehenden Skelette zu und explodierte beim Aufprall.
Die beiden Skelette wurden von der Wucht nach hinten geworfen und zerbrachen in viele Stücke.
Die beiden dahinter stehenden Untoten wurden von dem Feuerball in Brand gesetzt und taumelten umher.
Halk rappelte sich auf und lief laut schreiend in die Halle, wo er auf die anderen Skelette mit bloßen Händen einschlug.
Seine Wut schien unbändig zu sein, den Knochen knackten, und ein Schädel flog durch seinen Faustschlag davon.
Alex schnappte sich das Schwert, das Halk fallen gelassen hatte und folgte dem Barbaren nach draußen.
Mit den geschickten Bewegungen eines erfahrenen Kämpfers schlug er auf zwei Skelette ein.
„Nimm dies....“ waren seine Worte, als er den Kopf eines Untoten vom Körper trennte.
Halk war mit seinen beiden Gegnern bereits fertig und stürzte sich auf das letzte Skelett.
Mit seinem massigen Körper war er sich gegen den Untoten und brachte es zu Fall.
Dann riß er an den Knochen und schleuderte sie durch die Halle.
Der Kampf war vorüber, genauso schnell wie er begonnen hatte, und obwohl Halk aus einigen Wunden blutete schien er nicht schwer verletzt zu sein.
Müde, aber voller Stolz blieb er auf dem Boden sitzen und schaute sich seine Weggefährten an.
„Das waren mächtig Spaß, jetzt ich aber habe großen Hunger....“ seine Zähne blitzten und zum erstem Mal hatte er wirklich gute Laune.
Alex und Syra lächelten über den Barbaren, und nur Nabi schaute weiterhin ernst auf seine Freunde, denn er wußte das dies nur der Anfang von dem war, was sie noch erwarten würden....
Theron wußte nun, dass seine Wahl nicht hätte besser sein können, denn mit diesem Kampf hatten die Gruppe bewiesen, das sie ebenfalls ein ernst zunehmender Gegner sein konnte.
Syra sah mit etwas Sorge auf die Wunden, die sich Halk in dem Kampf zugezogen hatte, denn selbst eine kleine Verletzung konnte in dieser Umgebung ernste Folgen haben.
Sie ging zu dem Barbaren und kniete sich bei ihm nieder.
„Halk, laß mich mal sehen....“ sagte sie mit fürsorglicher Stimme.
„Das sein nicht schlimm, ich schon sein schlimmer verletzt in Kampf! Untot nur haben gekratzt mich mit rostig Dolch, und anderer Untot haben getroffen mich mit alt Schwert, aber Halk ihnen die Knochen gebrochen hat.....“ der Barbar lachte laut auf, und ließ sich doch von Syra versorgen.
Die Elfe hatte noch etwas Salbe und bestrich die oberflächlichen Wunden damit.
„Halk, nach drei Tagen wird alles verheilt sein! Dies war unsere letzte Salbe, und es wäre schön wenn du das nächste Mal etwas vorsichtiger sein würdest!“
Halk schüttelte den Kopf, „Du doch mich kennen, und wissen das Ich nicht lassen andere Leut gewinnen Kampf.
Klein Kratzer sein wirklich nicht schlimm, und ich werden hauen alle Feinde tot.“
Syra kannte den Barbaren nur zu gut und wußte das weitere Worte keinen Sinn machen würden, sie hoffte aber das Halk trotzdem beim nächsten Kampf vorsichtiger sein würde.
Irgendwann müßte der Barbar endlich einsehen, das selbst ein großer Krieger wie er, irgendwann auch einmal einem stärkeren Feind begegnen würde. Die Begegnung mit Lord Chaos schien bei ihm keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.
Nachdem nun alle Skelette vernichtet waren, durchsuchten die vier Abenteurer die im Raum verteilten Gegenstände. Viel war hier nicht zu finden, denn außer dem alten verrosteten Schwert und dem Dolch fanden sie nur alte und zerrissene Kleidung, in der noch die ehemaligen Besitzer steckten.
Die Ratten hatten sich am Proviant gütlich getan, und hatten auch vor den Toten nicht halt gemacht.
„Das sein kein schön Ort, und wir gehen besser schnell weiter,“ sagte Halk, dem dieser Ort genau wie den anderen drei nicht besonders gefiel.
„Ich hoffe wir finden bald etwas Nahrung, denn wir brauchen bestimmt über eine Woche um in das unterste Stockwerk zu gelangen,“ sagte Nabi und runzelte seine Stirn, denn seine Befürchtungen über dieses Abenteuer wurden immer größer.
„Wir werden es schon schaffen, „sagte Syra und offenbarte wieder ihren grenzenlosen Optimismus.
Alex Ander schaute sie wieder liebevoll an, aber ihm war anzusehen, das er sich von ihrem Optimismus nicht anstecken lies, weil er sie schon zu lange kannte.
Alex liebte die ganze Art und Weise von Syra, und er bewunderte die Kraft, und Stärke, die in der Seele der so zerbrechlich aussehenden Elfe innewohnten.
Mit knurrendem Magen machten sie die vier wieder auf den Weg, und Theron schwebte hinter ihnen her.
Zwei weitere Tagen waren vergangen, in denen sich die Abenteurer durch das Verlies gekämpft hatten.
Auf ihrem Weg mußten sie einige Rätsel und Fallen passieren, da sie aber bereits einmal den Weg beschritten hatten, waren dies keine echten Herausforderungen mehr.
Der Hunger und Durst nagten an der Moral weit stärker, und schwächten die Gruppe, die kurz davor stand zusammen zu brechen.
Gestern hatten sie einen alten Wasserschlauch bei einem anderen toten Abenteurer gefunden, aber trotzdem wurde es höchste Zeit, das sie eine der seltenen Brunnen finden mußten.
Ihre Lippen waren ausgetrocknet und ihre Wangen eingefallen, und ab und zu stolperte einer der vier Abenteurer.
Theron konnte nur schweigend hinter ihnen her schweben und mit Sorgen und Mitgefühl auf die Gruppe sehen.
„Wartet einen Moment,......“ sagte Nabi und lehnte sich an eine Wand.
Der alte Mann sah weit mitgenommener aus als die drei anderen.
Syra ging zu ihm hin und legte ihre Hand fürsorglich auf seine Schulter.
„Ruhe dich einen Moment aus....“ sie sah auf Nabi und ihre Augen sagten alles aus was sie in diesem Moment fühlte.
Verzweiflung, darüber das sich ihre Weg nun bald einem Ende nährend würde, und Trauer weil es nun niemanden geben würde der Lord Chaos Einhalt gebieten würde.
Theron schwebte neben Nabi und sah auf die beiden herab.
Er hätte alles dafür geben, wenn er jetzt helfen könnte, oder aber wenigstens an der Seite seiner Weggefährten leiden könnte.
Der Schmerz darüber hilflos zu sein, schmerzte Theron sehr in seinem Herzen.
„Wenn wir doch nur Wasser herbeizaubern könnten, dann wäre unserer Weg nicht umsonst...“ sagte Nabi und schaute Syra mit müden Augen an.
„Ich wünschte, das ich dies wirklich könnte.....“ sagte Syra und erwiderte den Blick.
Theron fiel auf einmal die Lösung ein, denn sein alter Meister hatte einmal davon gesprochen, das es einen Spruch gebe, der einem Menschen seine Lebenskraft zurück geben könnte, auch wenn er schwer verletzt oder aber durch andere Einflüsse geschädigt worden war.
Dieser Spruch wurde von Theron niemals angewandt, weil der graue Lord nur beiläufig davon gesprochen hatte, denn der Spruch erforderte Unmengen von Mana, und gab dafür nur wenig Lebenskraft wieder.
Theron erinnerte sich wie geschickt Syra den Feuerball hervorgerufen hatte, denn beim ersten Versuch war es ihr bereits gelungen.,
Vielleicht verfügte Syra über mehr Kraft, als Theron vermutet hatte, und er dachte angestrengt nach wie die richtige Formel für den Zauberspruch lauten müßte.
Er ging sein gesamtes Wissen über die magischen Symbole durch und stellte sie in alle möglichen Kombinationen zusammen.
Die meisten Kombinationen machten keinen Sinn, und neben vielen bekannten Zaubersprüchen fiel Theron auch der Zauberspruch ein der Vitalität schenken konnte.
Theron schwebte dicht neben Nabi und konzentrierte sich, und schickte dann seine Gedanken an den alten Mann.
Nabi zeigte erst einen verwirrten Ausdruck im Gesicht, aber dann schien er zu verstehen was Theron im mitteilen wollte.
Nabi sah wieder Syra an und in seinem Blick war neue Hoffnung zu sehen.
„Syra, Theron hat gerade mit mir gesprochen, und er erzählte von einem Zauber, der Unmengen von Mana benötigte und dafür aber Lebenskraft zurück geben könnte....“
Syra nickte mit dem Kopf, und auch Alex Ander und Halk waren näher getreten und hörten dem Propheten zu.
„Der Spruch besteht aus insgesamt vier Silben.
Zuerst folgt die Silbe für Kraft, dann folgen YA, das für die Erde steht.
Als nächste Silbe verleiht BRO dem Spruch Form, denn BRO steht für die gegenseitige Unterstützung und Ehrlichkeit treuer Freundschaft. Als letzte Silbe verleiht NETA dem Spruch Harmonie, denn NETA bestimmt das Verhältnis des Magiers zu seinem Gott und beendet den Spruch.
Der Spruch wird in Verbindung mit einer Flache gesprochen, aber ich denke das der alter Wasserschlauch statt dessen verwendet werden kann“
Syra hatte Nabi genau zugehört und schaute nun auf die Silben, die Nabi vor einigen Tagen notiert hatte.
Sie prägte sich die Silben genau ein und legte dann vor sich den Wasserschlauch auf den Boden.
Syra schloß ihre Augen und ließ ihre wohlklingende Stimme weit durch das Verlies schallen.
Die Stimme wurde tausendfach von den Wänden zurückgeworfen und hallte als Echo wieder zurück.
Syra legte all ihre Verzweiflung, und Trauer in den Spruch und gab ihm damit seine Kraft.
„LO......YA.......BRO.......NETA....“
Ein helles Leuchteten ging von Syra aus, das sich dann auf den Wasserschlauch übertrug.
Nachdem der Spruch vollendet war setzte sich Sysra müde hin, denn obwohl sie ihn nur die schwächste Kraftsilbe gesprochen hatte, wurde durch den Spruch das gesamte Mana in ihrem Körper verbraucht.
Theron wunderte sich immer mehr über die junge Elfe, denn diese Spruch war einer der wenigen, die aus vier Silben bestand, und nur Erzmagier waren diese Sprüche vorbehalten, denn sie hatten nur das Wissen und das Mana um sie anzuwenden.
Syra nahm den Wasserschlauch und öffnete ihn, dann roch sie an seinem Inhalt und lächelte.
„Es riecht süß und ich spüre die Kraft, die in diesem Trank innewohnt...“ dann reichte sie mit diesen Worten den Schlauch an Nabi.
Nabi nahm den Schlauch entgegen und setzte ihn an seine Lippen, und nachdem er einen Schluck getrunken hatte strahlte er über das Gesicht.
„Ich fühle mich gestärkt, und obwohl der Hunger und der Durst weiterhin vorhanden sind, denke ich das wir noch einige Zeit ohne Nahrung und Wasser auskommen werden.“
Alex sah wieder einmal mit stolzen Blick auf seine Syra und dann sah er zu dem Barbaren, der auch einmal einen freundlichen Gesichtsausdruck angenommen hatte.
„Du sein groß Zauberer, und Halk sich freuen das du sein hier....“
Syra wurde schien der Ganze Lob peinlich zu sein und sie drückte dem Barbaren den Schlauch in die Hand.
Nachdem alle von dem Trank getrunken hatten machten sie sich wieder auf den Weg...
--------------------------------------------
Lord Chaos ging unruhig durch die Gänge und überlegte.
Nun suchte er schon über ein Jahr nach dem Zauber, der es ihm ermöglichen würde den Feuerstab mit dem Stein der Macht zu verbinden, um dann mit dem Zauberstab die ganze Welt zu beherrschen.
Immer wieder waren ihm neue Sprüche eingefallen, die aber alle nicht gewirkt hatten.
Nachdem er das alte Labor des grauen Lords untersucht hatte waren ihm einige Schriftrollen in die Hände gefallen, die aber bisher keinen Sinn ergeben hatten.
Die Ungeduld im schwarzen Herz des Lord Chaos wurde immer größer, denn auch ein Wesen wie er, der nun nicht mehr sterblich war, würde nicht ewig an diesem trostlosen Ort ausharren können.
Die Gier nach Macht und nach Freiheit schürte die Unzufriedenheit, und sorgte für eine noch stärkere Ungeduld.
Früher verschafften ihm einige Abenteurer einigen Zeitvertreib, und er hatte sich immer wieder neue Rätsel und Fallen für sein Verlies ausgedacht.
Viele der unglücklichen Abenteurer waren auch den Versuchen zum Opfer gefallen, aus denen sogar einige neue Monster entstanden waren.
Inzwischen bedauerte Lord Chaos, dass er die Halle der Helden erschaffen hatte, denn seitdem waren kaum noch Abenteurer in das Verlies gekommen, die doch seinen einzigen Zeitvertreib darstellten.
Lord Chaos ballte beiläufig seine Faust und schickte einen Blitz durch die langen Gänge.
Es war ihm egal was er traf, aber irgendwie mußte er seinen Zorn abreagieren.
Der Zorn in Lord Chaos wuchs immer weiter, und obwohl er schon den ganzen Tag Blitze geschleudert hatte verbesserte sich seine Laune nicht.
Das Zauber lag ihm Buchstäblich auf der Zunge und nachdem er wieder in seine Gemächer zurückgekehrt war, warf er wieder einen Blick auf die vergilbten Pergamente.
„Nur die Kraft der Sonne, kann den Stein mit dem Feuerstab verbinden....“
Lord Chaos blätterte weiter, und schaute auf einen weiteren Eintrag,
„Der Urquell der Macht löst mit seinen Schockwellen den Stein aus dem Feuer des Berges....“
Alle diese und noch andere Einträge machten für ihn keinen Sinn, und voller Zorn warf er erneut einen Blitz, der durch den Raum schoß und ein weiteres Loch in die Wand zu dem Schlafgemach brannte.
Noch mehr von diesen Wutausbrüchen hätten bestimmt das ganze unterste Stockwerk zerstört.
Lord Chaos ballte seine Faust und brachte die Wut unter seine Kontrolle.
Er war der alleinige Herrscher, und es war nur eine Frage der Zeit wann er den richtigen Zauber gefunden hätte.
Auf einmal drangen leise einige wohlklingende Silben an sein Ohr und Lord Chaos lauschte.
Der Urheber des Zaubers mußte noch weit entfernt sein, aber trotzdem hörte Lord Chaos die Worte, denn der Urheber des Zaubers schien über eine gewisse Macht zu verfügen.
Lord Chaos lächelte, denn auch wenn diese Macht winzig im Vergleich zu seiner eigenen war, hatte er noch niemals ein Wesen getroffen, das einen so mächtigen Zauberspruch gewirkt hatte.
Lord Chaos legte seine Stirn in Falten und dachte nach, und auf einmal fiel ihm ein das er doch einmal jemanden mit einem gewissen Potential getroffen hatte.
Vor etwa 6 Monaten hatte er eine Elfe und dessen Begleiter in diesem Stockwerk gefangen.
Sie waren kurz bis vor seine Gemächer vorgedrungen, und er hatte große Freude daran, die Wesen in den eisigen Spiegeln einzufrieren, die dann in der Halle der Helden aufgehängt wurden.
Lord Chaos schüttelte den Kopf, denn niemand außer ihm selbst verfügte über die Macht, die von ihm verdammten Wesen wieder zum Leben zu erwecken.
Nach einem kurzen Moment verschwanden diese Gedanken und auf seinem Gesicht zeigte sich ein diabolisches Grinsen.
Endlich war wieder jemand in das Verlies gekommen...
------------------------------------------------------
Einen weiteren Tag gingen die Abenteurer durch die immer unheimlichere werdende Umgebung des Verlieses.
Halk hatte einige Ratten gefangen, die gierig gegessen wurden, obwohl sich Syra, Alex, und Nabi sehr davor ekelten, sagten sie kein Wort, denn schließlich hatte Halk die Tiere gefangen.
Jeder Bissen half dabei ihrem Ziel ein wenig näher zu kommen.
Der belebende Zaubertrank hielt sie auch am Leben, und Syra zauberte noch einen weiteren herbei.
Theron bewunderte ihre Ausdauer, und in den Nächten wachte er über sie, denn als Geiste brauchte er keinen Schlaf. Niemand würde diesen tapferen Menschen und Elfen etwas zuleide tun, solange Theron es verhindern konnte. Theron wußte das er nicht viel tun konnte, aber er war Augen und Ohren der Gruppe und schwebte durch die Gänge und erkundete die Gegend.
Überall waren die Zeichen von Monstern zu sehen die aus Spuren auf dem staubigen Boden und Überreste ihrer Mahlzeiten bestanden, aber auch wenn Theron überall nach Monstern Ausschau hielt konnte er keine finden.
Diese Tatsache beunruhigte Theron noch viel mehr, denn nun wußte er das Lord Chaos über die Anwesenheit der Abenteurer Bescheid wußte.
Hinter jeder Wegbiegung erwartete Theron, die fürchterliche Gestalt Lord Chaos zu sehen, aber je weiter er auch schwebte nichts stellte sich ihm entgegen.
Am Ende der Nacht schwebte Theron durch einen weiteren Seitengang zurück und entdeckte dabei einen in die Wand eingelassenen kleinen Wasserspeicher, aus dem munter eine kleine Quelle sprudelte.
Voller Freude schwebte Theron zu den schlafenden zurück und nahm geistigen Kontakt mit dem alten Propheten auf. Erst reagierte Nabi nicht, aber dann schlug er plötzlich die Augen auf, denn er hatte verstanden was Theron ihm gesagt hatte.
„Theron hat eine Quelle gefunden....“ verkündete er der Gruppe, die bei diesen Worten fast augenblicklich aufwachten, denn in diesem Verließ hatte jeder nur einen leichten Schlaf.
Ohne zu zögern packten sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und folgten Nabi langsam, denn weil ihnen die Kraft fehlte konnten sie nicht mehr schnell laufen.
Nach etwa zwei Wegstunden kamen sie an der Quelle an.
„Wir sind gerettet....“ waren Alex Worte und er sank auf die Knie.
Syra sah zu Alex, und sagte kein Wort, denn auch mit Hilfe ihres Trankes hätten sie nicht viel länger ohne Wasser auskommen können.
Noch etwa ein drittel des Weges lag noch vor ihnen, und zum ersten Mal keimte die Hoffnung in Theron wieder auf, als sein Blick auf die sich wie die Kinder verhaltenden Abenteurer fiel.
Halk trank erst, und ließ sich dann das Wasser über den Kopf laufen.
„Ahhh....das tun sehr gut.....“
Syra scheuchte Alex umher, denn in ihren Händen hatte er eine Handvoll Wasser ,das sie ihm nun entgegen spritzte.
„Ah....Syra das ist nass.....“ lachte er und lief auf Syra zu.
Dann strich er Syra die nassen Haare aus dem Gesicht, und küßte sie zärtlich.
Nabi beobachte seine Freunde und schüttelte nur ab und zu den Kopf über ihren jugendlichen Übermut.
Schließlich ging er auch zur Quelle und hielt seinen Kopf unter das Wasser.
Er stand auf und schüttelte sich und die Tropfen sprühten durch den Gang, denn auch trotz seines Alters hatte auch er sich einen Teil seiner Unbeschwertheit und Jugendlichkeit bewahrt.
Diesen Tag und den weiteren verbrachte die Gruppe bei der Quelle und Halk fing noch einige weitere Ratten, die es hier viel häufiger zu geben schien.
Diesen Abend schmeckten den vier das Fleisch nicht mehr so schlecht, denn sie wußten das es ihnen für die bald folgende Konfrontation neue Kraft geben würde.
Die Stimmung war ausgelassen und niemand wollte an die nähere Zukunft denken.
„Nabi, was tust du wenn wir wieder hier raus sind?“ fragte Alex den alten Mann.
Nabi lachte laut auf, „Mein Sohn, ich hoffe das ich dann ein ruhiges und beschauliches Leben führen kann.
Ich werde aufs Land ziehen und dort in einem kleinen Haus wohnen.
Morgens werde ich lange ausschlafen, und gegen Mittag aufstehen.
Ich werde im Garten essen und den Vögeln und Wolken zuschauen.
Dann gegen Abend werde ich die Sonnenuntergänge beobachten, und den Sternenhimmel mit seinen viel leuchtenden Sternen.
Jeder Stern ist der Traum eines Menschen, der sich erfühlt wenn eine Sternschnuppe über den Horizont zieht.“
Alex und Syra sagten kein Wort und sahen Nabi mit verträumten Blick an, und selbst Halk schien genug Abenteuer erlebt zu haben, denn auch er lächelte bei den Worten.
„Das sich hören sehr schön an, und Halk das werden auch machen.
Er werden haben viele kleine Kinder, und sein groß mächtig Papa und erzählen klein Kindern unsere Geschichte....“
Die lockere Atmosphäre wurde jäh unterbrochen, denn ein kalter und eisiger Wind wehte durch den Gang.
Theron schreckte auf, denn auch er hatte sich ablenken lassen, denn bei diesem Traum dachte er wehmütig an seine Veyla.
Alle fünf Abenteurer spürten das dieser Wind nicht natürlichen Ursprunges war und selbst das magische Licht das von Syra ausging, verlöschte, und lies die Umgebung sofort dunkel werden.
„Er kommt....“ waren die Worte aller wie aus einem Mund.
Theron schwebte den Gang entlang aus dem der Wind gekommen war, und er fürchtete sich so sehr, denn nun würde er der dunklen Seite seines Meisters Gegenüber treten.
Theron brauchte kein Licht, denn als Geist sah er die Umgebung klar und deutlich vor sich liegen.
Schon nach wenigen Augenblicken spürte er ihn, oder vielmehr es, denn von Lord Chaos ging eine Welle eisigen Hasses aus, das Theron wie ein Blitz traf..
Unfähig weiter den Gang weiter zu schweben drehte sich Theron um und legte die kurze Wegstrecke zu den vier Abenteurern zurück. Bei Nabi angekommen stellte er sofort die geistige Verbindung her.
„Er ist gleich da....“ waren Nabis Worte, und er stellte sich im Gang auf.
„Syra, wir brauchen Licht,“ brachte Alex Ander hektisch hervor, denn diese Situation erinnerte ihn sehr an die erste Begegnung mit Lord Chaos.
Halk brummte laut, denn gerade als die Geschichte ihm gefiel wurde er aus seinen Gedanken gerissen.
„Ich bin nun sehr böse.....soll er nur kommen, diesmal ich ihm hacke aber wirklich den Kopf ab...“
Syra konzentrierte sich, denn bei diesem Kampf würde sie viel Licht brauchen.
Mit jedem Zauber den Syra bisher gewirkt hatte, war ihre Stimme kraftvoller und schöner geworden, und diesmal schien selbst von ihrer Stimme ein Zauber auszugehen.
„MON......OH.......IR......RA.......“ waren die Worte des mächtigsten Lichtspruches überhaupt.
Nabi, Alex, und Halk schauten voller Ehrfurcht auf Syra, die in einem gleißenden Licht zu strahlen begann und den Gang weit in helles weißes Licht tauchte.
Merkwürdigerweise wurden ihre Freunde nur kurz geblendet und konnten dann ohne Probleme sehen.
In nicht weiter Entfernung stand Lord Chaos und warf einen weiten Schatten.
Er beschattete sein Gesicht mit der Hand und blieb stehen.
„IN NOMINE UNICORNIS....rufe ich dich Mutter der Natur, helfe mir meine Weggefährten vor Schaden zu bewahren. IN NOMINE UNICORNIS.......NIL IMALTUM IMANAELL......“ sagte Nabi mit machtvoller Stimme.
Vor Nabi erschien einer Mauer aus pulsierendem Feuer.
Nabi streckte seine Hände aus und berührte die Flammen, und an seinem Blick war zu sehen, das er sich sehr darauf konzentrierte die Feuerwand aufrecht zu erhalten.
Die drei Abenteurer schauten verwundert auf den alten Propheten, denn niemals zuvor hatten sie erlebt das er die Kraft seiner Göttin angerufen hatte.
Sie wußten nun was er beabsichtigte und in ihren Gesichtern war Trauer und Zorn zu erkennen.
„Geht....“ waren seine Worte, und die anderen drei wußten das er bleiben würde bis sie in Sicherheit wären.
Halk brummte laut, und sagte, „Du sein tapfer Mann....“ dann drehte er sich um und lief den Gang entlang.
Hätte Nabi nicht so schnell reagiert wäre Halk voller Todesverachtung Lord Chaos gegenüber getreten, aber auch er konnte erkennen das Nabi bereits dafür sorgen würde, dass der Rest der Gruppe entkommen könnte.
Syra liefen Tränen über das Gesicht, „Ich werde dich nie vergessen...“ und dann lief sie hinter Halk her.
Alex fehlten die Worte und er sah Nabi nur an.
Nabi erwiderte den Blick und er wußte was Alex sagen wollte, der sich daraufhin umdrehte und seinen anderen beiden Freunden folgte.
Mit Bestürzung beobachte Theron was sich hier nun abspielte und er erinnerte sich das zu diesem Gang in einer kurzer Entfernung ein Zugang zu einem parallelen Gang führte.
Theron wußte das es von dem alten Mann dumm war, sich Lord Chaos zu stellen, dann aber erkannte er, dass Nabi damit nur seine Weggefährten beschützen wollte.
Theron wußte auch das Nabi unerläßlich sein würde, wenn die Gruppe überhaupt Erfolg haben sollte, und darum übermittelte er ihm seine Gedanken.
„Es ist nicht die Zeit für diese Tat.....“ waren seine mentalen Worte.“Es gibt einen weiteren Gang.....lauf....Nabi....“
Nabi schüttelte den Kopf, und er schien in seiner Konzentration gestört zu sein, denn die Feuerwand verschwand.
Dann drehte sich Nabi um und lief trotz seines Alters mit jugendlichen Schritten hinter seinen drei Freunden her.
Lord Chaos lachte laut, und das Lachen halte weit durch die Gänge.
Theron folgte Nabi und zeigte ihm den Weg, den seine Freunde genommen hatten.
In einiger Entfernung hatten sie sich aufgestellt, und an ihren strahlenden Gesichtern war zu erkennen, das sie nicht erwartet hatten, ihn noch einmal wieder zusehen.
„Folgt mir.....Theron kennt den Weg....wir können Lord Chaos umgehen....“ sagte der alte Prophet schnell und hetzte an den drei Abenteurern vorbei.
Diese zögerten nicht lange und folgten ihm schnell.
In nicht weiter Entfernung stand immer noch Lord Chaos und lachte noch immer, dann setzte er sich in Bewegung und seine Schritte halten laut durch den Gang...
Atemlos hetzten die Abenteurer durch die Gänge, die noch nie zuvor in einem so gleißenden Licht erhellt wurden.
Theron schwebte einige Schritte voran und schickte ständig seine Gedanken an Nabi, der ihm direkt folgte.
Sie erreichten den Quergang und liefen wieder in die ursprüngliche Richtung, und passierten so im zweiten Gang die parallel Stelle, an der sie soeben Lord Chaos begegnet waren.
Auf einmal kam Theron die Gegend bekannt vor, denn sie kamen in einen Teil des Verlieses der nicht von Lord Chaos verändert und pervertiert worden war.
Diese Gänge waren fast so alt wie die Zeit, und wurden nicht in den Fels getrieben, sondern waren natürlichen Ursprunges. Theron wußte nun das bald sie bald den Wohnbereichs des Grauen Lords erreichen würden, in dem jetzt Lord Chaos sein Unwesen trieb. Theron hoffte das Lord Chaos dort keine Veränderungen an den Gängen vorgenommen hatte, denn sie hatten nur einen kurzen Vorsprung.
Theron hoffte das sich der Feuerstab, immer noch in der Vitrine befinden würde, er hoffte und betete denn eine zweite Chance würden sie nicht bekommen.
„Wohin wir laufen....?“ rief Halk dem alten Mann zu.“
„Wir sind in der Nähe des Labors, in dem der Feuerstab aufbewahrt wird.....Theron kennt den Weg....“ sagte Nabi und schnappte nach Luft, denn als alter Mann war er diese große Anstrengung nicht gewohnt.
Syra drehte sich ab und zu um und schaute zurück in den Gang, aber von Lord Chaos war nichts zu sehen.
Die Gruppe hetzte weiter durch die Gänge, die auf einmal wieder aus gemauerten Wänden bestanden.
Überall in den Wänden waren Löcher und verbrannte Steine zu sehen, was ein Zeichen dafür war, das Lord Chaos hier getobt haben mußte.
Ja, Lord Chaos hatte ansonsten keine Veränderungen des Wohnbereiches vorgenommen und nachdem sie noch eine kurze Strecke gelaufen waren, standen sie vor einer großen „Eichpforte“, die Tür hinter dem sich das Labor des Grauen Lords befand.
Theron schien es eine Ewigkeit her zu sein, dass er hier im Vorzimmer seine Arbeit verrichtet hatte, und er wünschte sich diese unbeschwerte Zeit zurück. Ihm wurde das Herz schwer, denn niemand konnte die Zeit einfach zurückdrehen und alle schrecklichen Taten ungeschehen machen.
Mit beiden Händen drückte Nabi gegen die schwere Holztür, die sich daraufhin mit lautem Geräusch öffnete.
Die Gruppe blickte in das Labor und sah, das Lord Chaos hier besonders schwer gewütet hatte, denn im hinteren Teil des Raumes waren zahlreiche verbrannte Löcher in der Wand.
Die Einrichtung war durchwühlt und nur auf dem schweren Eichentisch schienen einige wichtige Papiere geordnet hingelegt worden zu sein.
Theron schwebte herbei und sendete seine Gedanken an Nabi, der ihm darauf folgte.
Theron lass und versuchte zu verstehen:
„Der Urquell der Macht löst mit seinen Schockwellen den Stein aus dem Feuer des Berges....“
„Nur die Kraft der Sonne, kann den Stein mit dem Feuerstab verbinden....“
„Die negative Materie entzieht dem Stein die Macht und leitet sie durch den Stab“
Für Theron ergaben die Sätze erst keinen Sinn, aber er erkannte, das jeder Satz ein Hinweis zum Zauberspruch darstellte, der dafür sorgen würde, dass der Stein der Macht in Verbindung mit dem Feuerstab genutzt werden konnte.
Nabi steckte die Papiere schnell ein und folgte Theron der in den nächsten Raum schwebte.
Dort lag noch immer in seiner Vitrine, der Feuerstab auf dem kobaltblauen Tuch, und es schien als ob von dem Zauberstab ein eigenes Leuchten ausgehen würde.
Mit staunenden Mienen standen die vier Abenteurer im Raum und starrten gebannt auf den Stab, denn niemand von ihnen hatte geglaubt das sie es so weit schaffen würden.
Schließlich ging Nabi auf die Vitrine zu und öffnete sie.
Theron erinnerte sich an die Worte von Lord Librasalus und sie halten durch seinen Verstand.
„Du mußt mir Arm und Bein sein, Augen und Geist. Bis ich im Besitz des Feuerstabs bin, kann ich nicht in das Verlies. Seit der Großen Katastrophe kann ich nur auf dieser Ebene in Erscheinung treten, hier an diesem Ort draußen, genauso, wie er drinnen sein muß. Wir sind hier, er und ich, und doch sind wir es auch wieder nicht. Du mußt den Feuerstab hierher bringen.“
Der Feuerstab würde Lord Librasalus wieder Gestalt verleihen, er der sogar noch weit entfernter in den Halbräumen zwischen den Welten gefangen war.
Theron überlegte und streckte seine unsichtbaren Hände nach dem Stab aus, und nahm ihn in seine Hände und hob ihn hoch.
Vor den Augen der vier Abenteurer erschien Theron wie aus dem Nichts und nahm eine körperliche Gestalt an.
Er sah wieder wie der junge Lehrling aus, der er einst vor der großen Katastrophe gewesen war.
Voller Schreck blieben die vier Abenteurer auf ihren Plätzen stehen und starrten Theron gebannt an.
Nabi verstand als erster, denn er ging einen Schritt auf Theron zu und legte ihm seine Hand auf die Schulter.
„Willkommen unter den Lebenden,“ sein Gesicht strahlte, denn er kannte das Herz des jungen Mannes.
Theron starrte auf seine Hände und dann wieder auf den Feuerstab, dann drehte er sich um und sah in die Augen seiner Weggefährten. Er war nun nicht mehr ein Geist und würde mit all seiner Kraft seinen Freunden beistehen.
Auf einmal zuckte Theron zusammen und er sah sich und die anderen vier Abenteurer leiden und sterben.
Die Zukunft befand sich in ständiger Bewegung, und Theron wußte das diesen Bildern nicht zu trauen war.
Würde dies geschehen, wenn er jetzt den Stab zu Lord Librasalus zu bringen versuchte?
Mit all seiner Kraft dachte er an seinen alten Meister und hoffte das er ihn hören möge, wo immer er sich auch befinden würde.
In Therons Verstand klangen leise Worte an sein Ohr.
„Der Weg nach oben ist weit, und Lord Chaos ist nicht fern. Versuche den Stein aus dem Berg zu lösen, denn ich kann dir jetzt nicht beistehen.....Der Zauber lautet......ZO...“
Die Verbindung brach ab, bevor Lord Librasalus den richtigen Spruch nennen konnte und Theron spürte wieder die Welle eisigen Hasses, der sich ihm nun entgegen warf.
„LAUFT.....Lord Chaos ist hier.....“ schrie er und stürzte in das Vorzimmer hinaus...
Theron stand im Vorzimmer und sah sich um, aber von Lord Chaos war nichts zu sehen.
Der ihm entgegen brennende Haß schnürte ihm die Luft ab und ließ eine entsetzliche Angst in ihm aufsteigen.
Dicht hinter Theron folgten seine Freunde, die nun auch seiner Führung als Mensch vertrauten.
„Wohin.....?“ sagte Nabi kurz und sah Theron mit fragendem Blick an, und er wußte das Nabi den Weg zum Stein der Macht meinte.
Theron schaute den Korridor entlang und Nabi folgte seinem Blick.
„Zum Stein der Macht....“ sagte Theron während er bereits den Gang hinunter lief.
Seit Uhrzeiten lag der Stein der Macht im Herzen des Berges, einst umschlossen von den Flammen des Gebirges., die nun aber nach der großen Katastrophe erkaltet waren.
Theron lief und seine Hoffnung gab ihm die Kraft, denn endlos scheinenden Gang entlang zu laufen.
Der Gang? Theron erinnerte sich nicht daran diesen Gang jemals gesehen zu haben, und vielleicht war er auch eine Schöpfung von Lord Chaos, der ihn auf direktem Weg zum Stein der Macht führte.
Theron fühlte in seinem Herz, das dies der richtige Weg war, und er lief weiter, gefolgt von den anderen vier Abenteurern, die bei der Geschwindigkeit Schwierigkeiten, hatten mit jungen Mann Schritt zu halten.
Nach einer schier endlos scheinenden Zeit öffnete sich der Gang zu einer großen Höhle, die in Dunkelheit vor Theron lag.
Der junge Magier blieb stehen und lauschte in die Dunkelheit, und er hörte nur das fallende Wasser.
Syra trat nun neben Theron in die Höhle, die nun zum ersten Mal seit ihrer Entstehung erhellt wurde, denn immer noch strahle Syra in einem überirdischen Licht.
Die Wände bestanden aus hartem Felsen und kein Pilz oder Moos schien hier wachsen.
Die Decke war etwa 30 Meter hoch, und die vom Boden wachsenden Stalagmiten waren von mehr als doppelt so groß wie ein Mensch, genau wie die Stalaktiten die wie scharfe Dolche von der Decke hingen.
Das helle Licht strahlte durch die Höhle und lies die Tropfsteine strahlend hell und in bizarrer Form leuchten.
Für die Schönheit der Natur blieb keine Zeit und Theron lief in die Mitte der Höhle und blieb dort stehen, denn sein Blick hatte das entdeckt wonach er suchte.
Im Boden der Höhle war der Stein der Macht fest mit dem Gestein verbunden und Theron erkannte ihn sofort, denn im Gegensatz zu der Umgebung war er von tiefstem Schwarz.
Theron kniete sich nieder, und streckte seine Hände aus, besann sich aber und zuckte zurück, denn Theron fühlte das ihn die Macht des Steines bei Berührung töten würde.
Theron blickte auf und sah in die Gesichter seine Freunde, die nun neben ihm standen.
Nabi hielt bereits die Schriftrollen in der Hand und reichte sie Theron.
„Ich kenne die Lösung nicht....“ waren seine resignierenden Worte.
Theron nahm die Papiere entgehen und schaute sie genau an.
„Die negative Materie entzieht dem Stein die Macht und leitet sie durch den Stab“
„Der Urquell der Macht löst mit seinen Schockwellen den Stein aus dem Feuer des Berges....“
„Nur die Kraft der Sonne, kann den Stein mit dem Feuerstab verbinden....“
Der junge Magier erinnerte sich an alles was er jemals von seinem Meister gelernt hatte.
Die Theorie über die Magie war nicht einfach zu verstehen, denn jeder kleine Teil des Universums hatte einen Einfluß auf die Welt im Ganzen.
Theron sah die Lektionen im Geist vor sich hinziehen, und auf einmal schien es ihm als ob er die Stimme seines Meisters aus ferner Vergangenheit hören würde.
„Das gefährlichste der Elemente ist nicht das Feuer, sondern die negative Materie ZO. Um es in der Gewalt zu haben, wird eine große Menge Mana gefordert, denn negative Materie kann jedem Objekt der stofflichen Welt, einschließlich lebendiger Wesen, in einem einzigen Augenblick die gesamte Substanz entziehen.“
„Die ausdehnenden Linien des Symbols KATH charakterisieren die Schockwellen, die aus einem einzigen Urquell entsteigen. KATH verleiht explosionsartige Kraft für Zaubersprüche, die bereits Elemente wie Licht oder Luft enthalten.“
„RA ist das mächtigste und umfassendste der Zauberspruchsilben. Das Licht und die Hitze der Sonne und der Sterne sind hier eingefangen. Glücklicherweise ist diese Energieform den Magiern wohlgesonnen und läßt sich einigermaßen leicht kontrollieren, wenn man einmal gelernt hat, sie heraufzubeschwören.“
Theron hatte seine Erinnerungen laut gesprochen und seine Freunde hörten schweigend zu.
Nabi legte die Stirn in Falten und überlegte, schien aber zu keinem Ergebnis zu kommen.
Alex und Syra ging es ebenso, und nur Halk sagte, das was er dachte, „Das alles machen keinen Sinn. Warum du nicht einfach nehmen Stein und fügen zusammen mit Zauberstab?“Teron schüttelte den Kopf und sprach mehr zu sich als zu Halk, „Das geht nicht ohne Zauber......der richtige Zauber.....wie lautet der richtige Zauber.....?“
Theron kniete noch immer vor dem Stein und starrte ihn gebannt an und auf einmal schien ihm ein Gedanken zu kommen.
„Der Feuerstab muß bereit dafür sein, den Stein der Macht aufzunehmen, um die Kraft durch ihn durch zu leiten......also ist die erste Silbe ZO sein. Die nächste Silbe muß KATH sein, denn der Stein wird durch die Schockwellen aus dem Stein gelöst. Die letzte Silbe RA verbindet den Stein mit der Hitze der Sonne....“
Theron schlug die Hände zusammen und rief voller Freude, wie früher der Graue Lord „Ah, ha, ich hab’s! Ah, ha, ich habs!“
Seine Freunde sahen ihn erst erschrocken an, erkannten aber das er anscheinend den richtigen Spruch gefunden hatte, und sahen ihn nun voller Hoffnung an.
Alex sah zum Gang und dann wieder zu Theron,
„Theron, wir haben nicht mehr viel Zeit.....“
„Ich weiß.......es gibt nur einen Versuch.....tretet zurück.......“
Alex drehte sich wieder um und diesmal fiel sein Blick auf die dunkle Gestalt des Lord Chaos, der wie ein Schatten aus dem Gang trat.
„Theron, er ist hier.....“ sagte er und zog seinen rostigen Dolch....
Theron sah nicht auf, denn jede Sekunde war kostbarer als das Leben seiner Freunde und seines eigenes eingeschlossen.
„Es muß gelingen...“ waren seine Worte und er hielt den Feuerstab vor sich hin.
Nabi drehte sich zu Lord Chaos um, genau wie Syra und Alex und in den Augen des alten Mannes lag wieder dieser entschlossene Blick, denn er bereits gezeigt hatte, als die Feuerwand erschaffen wurde.
Als Syra einen neuen Zauber wirkte hallte ihre Stimme weit durch die Höhle.
Halk stand etwas abseits, jederzeit bereit seinen Freunden zu Hilfe zu eilen.
Obwohl er meistens etwas hitzköpfig war, hatte er nun erkannt das Magie oder sogar göttliche Kraft mehr gegen Lord Chaos ausrichten konnten, als ein altes Schwert.
„Kommen du nur her, dann ich hauen dir Kopf ab.....“ rief er, und er sah Lord Chaos herausfordernd an.
„MON............FUL........IR........“ klangen die Worte und in Syra’s Händen formte sich ein gewaltiger Feuerball.
Der Ball war so groß wie ein Wagenrad, und mit einer wütenden Bewegung warf sie die lodernden Flammen auf Lord Chaos.
Der Feuerball schoß auf Lord Chaos zu und umhüllte ihn mit seiner heißen Glut, aber der finstere Lord blieb einfach stehen und die Flammen erloschen
„.....Mutter Mentra schütze uns.....“ sagte Syra voller Entsetzen.
Nabi sah kurz zu Syra und ließ seine Hände sinken, denn nun erkannte er, dass eine Feuerwand keine Wirkung haben würde. Wie zum Abschied senkte er seinen Blick und trat dann auf Lord Chaos zu.
„IN NOMINE UNICORNIS....rufe ich dich Mutter der Natur, die du auch die Mutter der Winde bist. Fege diese Kreatur vom Angesicht der Erde.
IN NOMINE UNICORNIS.......KALIMOLASAKALASAMALA............ALAMASALAKASALOMILAK......“
Ein heftiger Winde erhob sich in der Höhle und einige der Tropfsteine knackten und brachen entzwei, und fielen dann von der Decke. Der Wind brach gegen Lord Chaos und für einen kurzen Augenblick geriet er ins Wanken, stemmte sich aber dann gegen den Sturm und erhob seine Hand.
Mit dem nächsten Augenblick war wieder Ruhe in der Höhle, und nur die umgestürzten und zerbrochenen Tropfsteine kündeten von dem Sturm.
Nabi sah Lord Chaos mit fassungslosem Blick an und erhob wieder seine Hände, um erneut die Kraft seiner Göttin herbeizurufen.
Lord Chaos erhob ebenfalls seine Hand und deutete mit ihr auf Nabi.
Dies sah Halk und er kannte sich inzwischen mit Magie so gut aus, das er wußte das Lord Chaos nun einen fürchterlichen Zauber auf Nabi werfen würde.
Mit einem lauten Schrei auf den Lippen erhob er sein Schwert und rannte direkt auf Lord Chaos zu.
Während dieser ganzen Zeit kniete Theron weiterhin vor dem Stein und murmelte leise die Worte des Zauberspruches. Er hatte in seinem Leben noch niemals einen Zauber mit vier Silben gewirkt, und nun mitten im Kampf erhob er seine Stimme.
„MON.......ZO.........KATH........RA.......“ schrie er und der Feuerstab glühte an der Spitze.
Das Licht hatte klare Formen und war genauso groß wie der Stein der Macht.
Es pulsierte hell in rot und gelb, und Theron führte den Feuerstab immer näher an den Stein der Macht heran, der nun ebenfalls schwach zu leuchten begann.
Je näher Theron mit dem Feuerstab, dem Stein der Macht kam, desto heller wurde das Licht des Steines und überstrahlte schließlich sogar das magische Licht von Syra.
„NEIN HALK......“schrie Nabi, als er sah das der Barbar Lord Chaos attackierte.
Halk hörte nicht auf die Worte und rannte weiter.
Lord Chaos wendete seine Hand ab und deutete auf Halk, und es löste sich ein Blitzstahl aus ihr, der direkt auf Halk zuschoß. Halk sah ein Leuchten und versuchte zur Seite auszuweichen, wurde aber mitten in die Brust getroffen, und der Blitz durchschlug ihn und brannte ein tiefes Loch in die Höhlenwand.
Halk taumelte kurz und fiel dann auf die Knie und dann auf den Bauch.
„HALK.....“ rief Syra voller Zorn in der Stimme, und Alex sah seine Geliebte entsetzt an, dann drehte es sich um und in seinen Augen waren Tränen zu sehen.
Mit aller Macht warf er seinen Dolch, der sich tief in Lord Chaos Brust bohrte.
Nabi schloß seine Augen, und rief wieder seine Göttin an.....“In der Stunde unseres Todes steh uns bei, auf das die Welt errettet werde......IN NOMINE UNICORNIS.........“ .
„HAHAHAHA.....“ lachte Lord Chaos laut auf, und zog den Dolch aus seiner Brust.
Seine Stimme, war die des Todes persönlich und lies buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren.
Syra versuchte ebenfalls einen Zauber zu wirken, aber im Verglich zu der schrecklichen Stimme, hörte sich ihr glockenheller Gesang schwach und machtlos, gegenüber dieser teuflischen Bosheit an.
Lord Chaos bewegte wieder seine Hand und Syra verstummte, und hielt sich ihre Hände an den Bauch, durch den soeben ein Blitz geschossen war.....
Lord Chaos wendete sich ab und sah nun auf Theron, denn er spürte eine gewaltige Kraft, die sich von der Mitte der Höhle entfaltete.
Auch wenn Therons Weggefährten Lord Chaos nichts hatten anhaben können, so hatten sie ihm doch die nötige Zeit verschafft seinen Zauber zu beenden.
Mit dem Feuerstab in der Hand, an dessen Ende sich nun der brennende Stein der Macht befand, trat Theron Lord Chaos entgegen.
Theron schaute in die finsteren Augen von Lord Chaos.
Seine Gestalt erinnerte Theron zwar entfernt noch an seinen ehemaligen Meister, aber
er entdeckte sonnst nichts, das darauf hingedeutet hätte, das Lord Chaos einmal Teil des grauen Lords gewesen war.
Theron löste sich von dem hypnotischen Blick und sah auf den Feuerstab, und umklammerte ihn fest mit seinen Händen, als er ihn auf den finsteren Tyrannen richtete.
Ohne ein Wort sagen zu müssen, schien der Feuerstab genau zu wissen was nun zu tun war, denn ein gleißender Strahl blauen Lichtes schoß auf Lord Chaos zu und umhüllte ihn.
Lord Chaos streckte seine Hände aus und versuchte das ihn umgebene Licht mit seiner Macht zurückzudrängen, aber seine Hände zuckten nur hin und her, denn seine Macht war winzig, im Vergleich mit dem des Steines der Macht.
Lord Chaos zuckte noch einige Male und löste sich dann in Rauch auf, und nur ein kleines Häufchen Asche blieb zurück.
Theron lies den Feuerstab fallen und sank auf die Knie, und in seinen Augen waren Tränen zu sehen.
Nabi trat neben Theron und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Halk und Syra werden es nicht schaffen.....“ waren seine kaum vernehmbaren Worte, dann wendete er sich ab und eilte zu Syra, bei der er sich niederkniete.
Syra lag zusammengekrümmt auf dem steinernen Boden und hielt sich mit den Händen den Bauch.
Sie röchelte leise und Nabi sah sie mit fassungslosem und unendlich traurigem Blick an.
„Syra.......wir haben es geschafft.....“
Theron sah Nabi an und in seinem Blick war zu sehen, das er nun erst langsam verstand was er ihm gerade über die beiden Verwundeten gesagt hatte.
Alex kniete nun auch neben Syra und weinte bitterlich.
Theron schüttelte den Kopf und biß die Zähne zusammen.
„Nein, so endet es nicht.....“
Theron nahm den Feuerstab und sah, das sich Syra noch bewegte, aber Halk hingegen bewegungslos lag.
Mit schnellem Schritt ging er zum Barbaren und sah, die fürchterliche Wunde, und ihm war klar das kein Arzt dieser Welt Halk retten konnte.
Theron kniete sich neben Halk und hörte ein rasselndes Geräusch, das für ein das Zeichen war, das noch ein wenig Leben in dem Barbaren steckte.
Theron hielt den Feuerstab in der Hand, der nun den Stein der Macht beherbergte, der wiederum vor Urzeiten, das Eis geschmolzen hatte, worauf dann alle Lebewesen erwacht waren.
Theron dachte nicht lange nach und berührte mit dem Feuerstab die klaffende Wunde.
Wiederum leuchtete der Stein hell auf und umfaßte diesmal Halk mit Licht.
Das Licht verschwand wenige Augenblicke später und Theron sah, das sich die Wunde geschlossen hatte, und Halk wieder gleichmäßig atmete.
Ohne ein Wort zu sagen eilte Theron sofort zu Syra und berührte ebenfalls mit dem Feuerstab die Wunde.
Auch sie wurde von dem Licht umschlossen, und lag ruhig da,. nachdem das helle Leuchten verschwunden war.
„Theron......ich kann es nicht glauben.....“ waren Alex Worte und er sah den jungen Magier dankbar an.
Nabi sagte nichts und saß nur auf dem Boden und schaute immer wieder auf Syra und Halk.
Nach all der Anstrengung, und dem Zauber wurde Theron schwindelig und er sank bewußtlos zu Boden, wobei er den Feuerstab aber immer noch fest umklammert hielt...
------------------------------------------------------------
Theron sah weiße Wolken und blauen Himmel, denn er schwebte weit über der Wolkendecke im hellen Sonnenlicht.
Die Wolken verhinderten einen Blick auf die Erde und nur an manchen Stellen war grüne Erde zu sehen.
Grüne Erde? Theron wunderte sich sehr und schwebte den Wolken entgegen, dann durch sie hindurch und blickte sich um. Was er dann sah lies sein Herz vor Freude jubeln, denn er sah nicht nur grünes Gras, sondern auch blühende Wiesen, herrliche Wälder und klare Bäche.
Die Welt sah so aus, wie Theron sie vor der großen Katastrophe kannte.
Er schwebte noch weiter nach unten und sah dann Menschen auf den Feldern, in den Dörfern, und auf den Wegen.
Überall hörte er Menschen lachen und singen, aber dann erinnerte sich Theron, das er sich im Berg Anaias befand und wieder lebendig war. Die Welt wie sie einst gewesen war existierte nicht mehr, und dies alles mußte seiner Vorstellungskraft entspringen. Wäre der Stein der Macht nicht erreichbar gewesen, so wäre dies alles noch Realität und die Welt wäre nun nicht ein Ort der Zerstörung und der endlosen Pein und Trauer. Theron wünschte sich das die Welt wieder so werden würde, wie sie einst gewesen war. Mit Bedauern schwebte er wieder nach oben, und durchflog die Wolkendecke, und sah dann die strahlende Sonne scheinen.
„Dein Wunsch wird sich erfüllen.....“ hörte er eine Stimme, die er als die seines Meisters erkannte.
„Hab Dank Theron, denn du hast die Welt und mich befreit......
Der Feuerstab hat sich aufgelöst und die Welt wieder zum dem gemacht was sie einst gewesen ist.....“
Theron blickte sich um aber er sah nirgends Lord Librasulus.
„Lebe wohl Theron......“
Theron wachte auf und öffnete die Augen.
Er lag auf dem Rücken und blickte auf Wolken und den dazwischen durchscheinenden blauen Himmel.
Theron setzte sich auf und sah, dass er sich vor dem Eingang zum Verlies befand.
Neben ihm im Gras lagen seine Freunde, die immer noch friedlich schliefen.
Merkwürdigerweise sahen sie erholt und frisch aus, und trugen saubere Kleidung.
Theron sah sich um und schaute auf das grüne Tal, durch das der kleine Bach plätscherte.
Er sah die Felder und den kleinen Wald, in dessen Nähe die Taverne von Veyla’s Vater stand.
Theron schüttelte den Kopf und Verwunderung und grenzenlose Freude waren in seinen Augen zu sehen.
„VEYLA......“ durchfuhr ein Gedanke an seine Geliebte seine Herz und Verstand.
Er sprang auf und rannte los, und rannte auf das kleine Wäldchen zu.
Er lief voller Hast durch den Wald, bis er in einiger Entfernung durch die Blätter die Taverne erblickte.
Theron lief weiter und dann sah er sie, denn Veyla stand am Brunnen und schöpfte Wasser.
„VEYLA......VEYLA....“ rief er und lief auf sie zu.
„Theron....?“ sagte Veyla und sah ihn mit fragendem Blick an.
Theron nahm sie in seine Arme und küßte sie leidenschaftlich auf den Mund.
„Veyla......ich liebe dich......und ich bin froh wieder hier zu sein......“
Veyla löste sich aus seiner Umarmung und sah ihn mit leicht vorwurfsvollem Blick an.
„Theron......du machst wieder Späße......denn es ist doch erst Mittag....“
Die junge Frau schmunzelte, und sprach weiter...
„Eigentlich sollte ich dir böse sein, weil du heute morgen einfach verschwunden bist, aber ich weiß ja wie dringend der graue Lord das Henna benötigt hat.....“
Veyla sah Teron einen Moment in die Augen.
„Aber ich kann dir einfach nicht böse sein.....“,sagte sie, und küßte ihn zärtlich.
Veyla löste sich aus der Umarmung, und nahm Theron bei der Hand.
„Komm.....Vater wartet mit dem Mittagessen.....“
Veyla drehte sich um und sah am Waldrand vier Personen stehen.
Sie sah sie neugierig an, „Seid gegrüßt......“ sagte sie und wartete auf eine Reaktion.
Theron sah seine vier Freunde und der wissende Blick in deren Augen, sagte ihm, dass er nicht nur geträumt hatte.
„Veyla.....das sind meine Freunde, und ich habe Dir viel zu erzählen........“
----------ENDE----------
|