Bruder Karil 



Über die Vergangenheit von Bruder Karil ist wenig bekannt, denn er spricht nicht oft darüber.
Wenn man ihn aber auf seinen Glauben, und die Kirche der vier Winde anspricht, kann er Stundenlang über die Güte und die Gnade der Götter sprechen.
Bruder Karil ist fest im Glauben, und als Mönch des Semister Ordens folgt er treu seinem Weg.
Vor nicht allzu langer Zeit begab sich Bruder Karil auf eine „heilige Reise“, zu der von der Kirche auserwählt worden war.
Aber lassen wir ihn nun selbst von seiner vergangenen Reise berichten und begeben uns an einen weit entfernten Ort in der Wildnis.
Die Sonne ist eben unter gegangen und Bruder Karil spricht zu einigen Menschen....

Mögen die vier Winde mit uns sein..... hallten die Worte durch meinen Geist, als wir unsere Reise fortsetzten.
Die Winde die seit jeher mein Dasein bestimmt hatten, waren mir auch diesmal Hold gewesen, denn ich war der einzige Überlebende.
Der Einzige Überlebende einer heiligen Reise.....

Aber ich fange mit dem Ende an......meine Töchter und Söhne setzt euch ans Lagerfeuer und hört meinen Worten zu, denn sie künden euch von der einzigen Wahrheit und Allmacht der vier Winde...“

Nachdem alle Zuhörer Platz genommen haben, stellt sich der Mann in die Nähe des Feuers.
Er ist von mittlerer Statur und trägt eine einfache Kutte, dessen Farbe im Schein des Feuers nicht zu bestimmen ist.
Um seine Hüften ist ein alter zerfranster Strick geschlungen, an dem eine kleine hölzerne Schüssel und ein hölzerner Löffel mit Bändern befestigt sind.
Um seinen Hals trägt er ein schlichtes Kreuz, das die vier Winde darstellt.
Sein Gewand und seine Worte lassen die Zuhörer sofort erkennen, das er ein Mönch des Semister Ordens ist.
Die Semister die durch ihre einfache Lebensweise, und ihre ewige Reise, versuchen die höchste Spiritualität zu erreichen, um die Weisheit zu erlangen den Willen der vier Winde zu ergründen.

Als Bruder Karil zu sprechen anfängt, schwingt in seiner Stimme sein ehrfürchtiger Glauben, an diese Welt und ihre Götter.

„Drum höret nun was ich euch zu berichten haben.......
„Der wahre Glaube ist im Lande Normanna noch nicht weit verbreitet, und vor nicht langer Zeit wurden die ersten Tempel in den Städten Sobyr und Rande errichtet....
Die vier Winde blicken voller Erwartung auf dieses Land und auch auf uns Gläubigen, denn jeder von uns muß helfen das Samenkorn der Erkenntnis in die Herzen der Unwissenden zu sähen.....“

Der Mann spricht nicht weiter und sieht in die Gesichter der jungen Frauen und Männer.

„......In seiner endlosen Weisheit beschloß Windefürst Waleria, den Glauben in Rande zu stärken, indem er eine heilige Reliquie nach Rande schickte, um sie dort dem Jarl „Ragner, dem Gläubigen“ als Zeichen des Glaubens zu übergeben.
Im Tempel soll sie dort der Bevölkerung gezeigt werden, auf das sie den einzigen Glauben finden werden.
Vor nunmehr achtzig Tagen brachen insgesamt 53 Abgeordnete, von der heiligen Stadt Mesia Mesiana auf, um diese heilige Aufgabe zu erfüllen.
Unter ihnen befanden sich 50 Schwestern und Brüder der tapferen Prätorianer, Bruder Mirachil vom Mesianer Orden und Schwester Limara vom Runisten Orden, und ich um für meinen Orden zu sprechen......“

Bruder Karil wischt sich mit seiner Hand über die Stirn, und mit trauriger Stimme spricht er weiter.

„Die Reise verlief erst sehr gut, und wir folgten der großen Handelsstraße, die uns über Pakk-Ur nach Rande bringen würde.
Aber leider sollte es anders kommen, denn eines Tages wurden wir von Nordmännern, angegriffen.
Diese Nordmänner waren fürchterliche und starke Krieger, und drängten uns von der Straße.
Lange Zeit liefen wir durch die Wildnis, bis wir schließlich auf eine alte Handelsstraße stießen.
Aber auch hier warteten die Nordmänner,  und obwohl die tapferen Schwestern und Brüder der Prätorianer sie zu Dutzenden töteten, schienen es immer mehr zu werden.
Immer mehr Schwestern und Brüder kamen durch sie zu Tode, und obwohl ich ohne Unterlaß betete hörten die Angriffe nicht auf.
Es war eine Prüfung des Glaubens an uns, und alle Prätorianer kämpften tapfer und mutig im Zeichen der vier Winde.
Nachdem nun die Angriffe bereits drei Tage andauerten, waren nur noch fünf Prätorianer übrig geblieben.
In meinen Herzen lag endlose Trauer über die gefallenen Schwestern und Brüder.
Aber es sollte noch schlimmer kommen, denn gerade als die heilige Truhe über einen Bach getragen wurde, stürzten die Nordmänner aus dem Wald.
Bruder Berilac rief zu mir ich sollte fliehen, um wenigstens mein Leben zu retten.
Ich zögerte, denn ich durfte die heilige Reliquie nicht den Nordmännern überlassen, aber dann hörte ich die Stimme der Winde in meinem Geist und ich lief los.....“

Bruder Karil füllt sich seine Schüssel, aus einem Krug und trinkt einige Schluck Wasser.

„.....Ich lief einige Zeit, bis ich dann auf eine größere Gruppe Menschen stieß.
Die Leute sahen wie Jäger aus, denn sie trugen nur leichte Lederrüstungen, und Bögen.
Nachdem ich ihnen atemlos von dem Angriff erzählt hatte, glaubten sie meinen Worten nicht sofort und setzten vorsichtig ihren Weg fort.
All meine Worte halfen nicht, und ich lief wieder zu meinen Brüdern.
Nachdem ich wieder einige Zeit gelaufen war, hörte ich von Fern, den Kampfeslärm leiser werden.
Kurz keimte in meinem Herz die Hoffnung auf, aber mein Verstand wusste es besser, denn meine Brüder und Schwestern konnten in diesem Kampf nicht gewinnen.....“

Betrübt sieht sich Bruder Karil um, und eine einzelne Träne läuft über seine Wange.

„....die Jäger griffen in den Kampf ein und konnten einige Nordmänner erschlagen, aber für die Prätorianer kam jede Hilfe zu spät.
Zum Glück war die heilige Truhe unberührte und ich dankte den vier Winden für ihre Gnade.
Die Jäger waren zuerst gar nicht freundlich, und einer von ihnen forderte sogar Geld um die Truhe zu tragen.
Ich war fassungslos als ich diese Worte hörte, denn meine Brüder und Schwestern lagen in ihrem Blut in der Nähe der heiligen Truhe.
Nachdem ich den letzten Segen für die Gefallenen gesprochen hatte, wurde schließlich doch die Truhe von den Jägern getragen.
Nach einer weiteren Wegstunde erreichten wir eine kleine Ortschaft, mit Namen „Siegewald“
Der Ort besteht aus einigen einfachen Hütten und einer halben Burg.
Das hört sich wirklich merkwürdig an, und es ist es in der Tat, denn die eine Hälfte der Burg ist eingestürzt.....“

Der Mönch wischt sich mit der Hand über die Schweißnasse Stirn und tritt zwei Schritte vom Feuer weg.

„Vorläufig waren wir in Sicherheit, und ich pries den Namen der vier Winde für ihre Gnade.
Nachdem ich mich in der Taverne von meiner Reise gestärkt hatte, erschienen weiter fünf Schwestern und Brüder der Prätorianer.
Wieder pries ich die vier Winde, denn ich war nun nicht mehr alleine.
Unter dieser Gruppe befand sich auch der Zahlmeister des Königs, und auch ein Reichsritter, deren Namen ich mir nicht merken konnte, aber die sich später doch als sehr nützlich erwiesen.

Am späteren Abend fand ein Gottesdienst für alle gefallenen Helden statt, auf den alsbald wieder ein Angriff der Nordmänner folgte.
Sie hatten es nun offensichtlich auf die heilige Truhe abgesehen, aber zum Glück konnten sie wieder in die Flucht geschlagen werden.
Die Prüfung des Glaubens war noch lange nicht beendet, und die Reise mußte unbedingt fortgesetzt werden.
Aus diesem Grund rekrutierte der Zahlmeister Freiwillige, die nun die heilige Reise begleiten sollten.
Viele von ihnen unterzog ich einer Prüfung des Glaubens, denn nur diejenigen sollten uns begleiten die dem einzigen Glauben folgen.

Spät in der Nacht fiel dem Hauptmann der Prätorianer ein Bauer auf, der sich in der Burg befand.
Der Bauer sah genauso aus, wie einer der Nordmänner, die Bruder Paulus angegriffen hatten.
Der Mann wurde sofort verhaftet und einem Verhör unterzogen, bei dem er dann seine Schuld gestand.
Später sprach ich noch einmal mit dem Mann und diesmal beteuerte er seine Unschuld.
Es ist falsch wenn Menschen vorschnell urteilen, denn ich sah die Angst in den Augen des Mannes.
Aus diesem Grund wurde beschlossen ihn einem Götterurteil zu unterstellen.
Die weitere Nacht verlief Ereignislos und ich verbrachte sie in der Nähe der heiligen Truhe, die sich wiederum in der Burg befand.

Am nächsten Morgen wurde die Morgenandacht gehalten, die von dem Götterurteil gefolgt wurde.
Hierfür wurde der Bauer auf einen Scheiterhaufen gebunden, der daraufhin entzündet wurde.
Das Feuer wollte einfach nicht brennen, was das Zeichen der vier Winde war, dass dieser Mann wirklich unschuldig war.
Wenn er ein Verbrechen begangen hätte, so wären die vier Winde ihm nicht zur Seite gestanden und das Feuer hätte seinen Leib verzehrt....“

Bruder Karil sieht sich wieder um und holt tief Luft.

„In diesem Moment stürzten wieder Nordmänner aus dem Wald, die aber mit Hilfe der Gläubigen in die Flucht geschlagen werden konnten.
Preiset die Götter, denn dies war nun das Zeichen, das unsere Reise von Erfolg beschieden sei.....
Vier kräftige Männer hoben die heilige Truhe an, und wir setzten die heilige Reise fort.
Und nun sitzen wir hier, am Ende des ersten Tages, und ich sage euch.......“

Bruder Karil holt wieder tief Luft und erhebt seine Stimme.

„...........Und ich sage euch, solange ihr treu eurem Glauben folgt, wird diese Reise von Erfolg beschieden sein.
Auf das wir den einzigen Glauben nach Normanna bringen.......Preiset die vier Winde, auf das wir uns würdig zeigen im Angesicht ihrer Allmacht......“


Was ist ein Semister?



„Der Semisterorden ist ein echter Bettelorden, dessen Mönche nach ihrer Novizenzeit Jahr und Tag auf Wanderschaft sind. Ziel ihrer nie enden wollenden Reise ist die Erlangung höchster Spiritualität und der Weisheit den Willen der Götter zu ergründen. Fast jeglicher Besitz ist ihnen verboten, und es gibt nur vier Gegenstände, die sie mit sich führen dürfen. Die einfache Kutte mit einer Kordel gehalten versinnbildlicht ihre Körperlichkeit, das schlichte Kreuz ihren Glauben im Herzen, der Löffel die Mühen des Lebens und die Demut, sowie eine Schüssel zum Betteln, Essen oder Trinken. Bis auf die Kutte muss jeder Gegenstand aus einfachen Holz sein und mit nichts weiter befestigt werden, als mit etwas Schnur.
Der Semister darf sich nicht in Abhängigkeit begeben oder länger als eine Woche an einem Ort verweilen. Körperliche Arbeit ist ihnen streng verboten und alles Erbettelte, was über das hinausgeht, was man unbedingt braucht, um nicht zu verhungern, muß weitergegeben werden. Das ein Mönch dieses Ordens keusch leben muß, braucht gar nicht erst erwähnt zu werden.“ (Aus der Weltenbeschreibung des EH-TE-EH-RAR Regelwerk)