Karl der Schäfer

Ich möchte euch die Geschichte vom Schäfer Karl erzählen,
der in seinem Leben Glück fand und es bald daraufhin aber wieder verlor.
Karl war 20 Jahre alt als er auf einem Dorffest die junge Bauerstochter Petra
kennenlernte.
Petra war wunderschön und alle jungen Burschen des Dorfes hatten ein
oder sogar mehrere Augen auf sie geworfen.
Karl war nie mit viel Intelligenz gesegnet gewesen, aber statt dessen hatte
ein gutes Herz und sorgte sich immer sehr um seine Schafe.
Karl hatte Glück und Petra verliebte sich ebenfalls in ihn.
Das Glück währte aber leider nicht lange, denn schon nach kurzer
Zeit langweilte Karl seine Frau mit den ständigen Geschichten über
die Schafe.
Karl bemerkte dies aber nicht, und seine Frau arbeitete als Haushaltshilfe
immer öfter bei dem Pferdezüchter "Jul Bombadiue" auch "Jul der
Bock" genannt, weil er hinter jedem Rockzipfel her war.
Nach einiger Zeit bekam Petra ein Mädchen, dass von der Mutter Susanne
genannt wurde.
Karl war über die Geburt seiner vermeintlichen Tochter sehr erfreut,
der nach zwei Jahren noch ein kleines Töchterchen Namens Julia folgte.
In all den vergangenen Jahren war eine, in der Nähe des Dorfes Wohnende
Druidin, eine Heilerin und Ratgeberin in vielen Dingen.
So half sie auch bei der Geburt der beiden Kinder mit.
Die Druidin half allen Menschen mit Rat und Tat, und sie war eine Frau die
von den meisten Dörflern hoch geschätzt wurde.
Jedes Jahr sprach die Druidin in einem Steinkreis einen Segen über das
Land, so das alle Pflanzen gut wuchsen und Mensch und Tier gesund blieben
und gesunde Nachkommen bekamen.
Große Schmetterlinge flatterten über die von der Sonne beschienenen
Wiesen und Niemand litt Not.
Aber leider gab es auch Menschen, in deren Herzen Neid und Mißgunst
wuchsen und die es nicht gerne sahen, dass die Druidin von den Dörflern
so geschätzt wurde.
Aberglauben und Angst waren ebenfalls vorhanden, und diese Gefühle vermögen
Schlimmes zu bewirken.
Einige Dorfbewohner hatten vor drei Jahren kleinere Unfälle (Beinbruch,
Husten u.s.w) und leider wurde für all dies die Druidin verantwortlich
gemacht.
Als schließlich die Frau von Jul ein totes Kind geboren hatte, und
kurze Zeit später im Kindbett starb, wurde der offene Haß geschürt
und brach schließlich aus
Eines Abends war der Siedepunkt erreicht und der Holzfäller Heinz, sprach
am lautesten gegen die Druidin, bis sich schließlich eine Meute aufmachte,
die Druidin zur Rede zur stellen.
Die Druidin ahnte, was passieren würde und versteckte acht Steintafeln
im Wald, denn nur mit diesen Tafeln war es möglich den Segen über
das Land zu sprechen.
Sie hoffte, dass ein Druide die Tafeln finde würde, damit später
wieder der Segen über das Land gesprochen werden könnte.
Der Mob erreichte den Steinkreis und umzingelte die Druidin.
Alle guten Worte halfen nichts, denn der Mob wollte Blut sehen, und alsbald
flog von Holzfäller Heinz der erste Stein, dem viele andere folgten,
denn fast jeder Dorfbewohner bewarf die Frau.
Kaum ein Dorfbewohner blieb in dieser Nacht ohne Schuld, sei es denn sie
warfen die Steine oder standen tatenlos dabei und sahen dem Verbrechen zu
Zu Tode getroffen sank die Druidin zu Boden und wurde dann von der Meute
verbrannt.
Der Schäfer Karl stand fassungslos dabei, und schaute nur voller Angst
zu
Seine Frau war vor einigen Monaten gestorben, und er war sich nicht sicher
ob die Druidin vielleicht doch eine Hexe gewesen war, denn schließlich
waren alle anderen Leute davon überzeugt.
Die Jahre gingen ins Land und Karls Töchter waren inzwischen 5 und 7
Jahre alt.
Die Zeiten waren schlecht, so schlecht wie sie noch niemals zuvor gewesen
waren.
Karl der Schäfer wischte sich den Schweiß von der Stirn und dachte
ein sein kleines Schäfchen Klara, und ging weiter durch den Wald.
Karl schüttelte den Kopf und rief wieder den Namen seines letzten Schafes,
denn in den letzten Wochen wurden die letzten vier Schafe seiner Herde von
den Wölfen gerissen.
An diesem Morgen war Klara erschreckt in den Wald gelaufen, als die Wölfe
sich wieder in der Nähe zeigten.
Früher, ja früher war alles besser, als Karl noch seine kleine
Herde von 30 Schafen hatte, die er vor 10 Jahren von seinem Vater übernommen
hatte.
Als Karl aus dem Wald kam und auf den Vorplatz zur Taverne "Waldgeflüster"
betrat, fielen ihm sehr viele Reisende auf.
Anscheinend kamen die Leute von überall her um die Taverne zu besuchen.
Dies alles war Karl aber egal, denn er sorgte sich immer noch um sein Schaf
"Klara".
Karl hörte davon, dass ein Baron von Räubern im Wald entführt
worden war, und das die Baronin in einem Kampf schwer verletzt wurde, und
dabei alle Krieger der Leibgarde getötet worden waren.
Ebenso war die kleine Tochter der Baronin im Wald vermißt.
Karl bedauerte die Baronin, aber dachte dann sofort wieder an sein Schaf,
denn wie sollte er ohne Herde seine Familie ernähren?
Die Zeiten waren eben schlecht, und jeder Mensch hatte große Probleme.
Karl hatte ein schlechtes Gewissen, dass er damals Tatenlos zugesehen hatte,
wie der Lynchmob die Druidin getötet hatte.
Die Reisenden zeigten Interesse am Geschehen des Dorfes und Karl konnte seinen
Mund nicht mehr halten, und erzählte einigen Reisenden die traurige
Geschichte.
In den letzten Nächten war große Aufregung unter den Dörflern
entstanden, denn im Steinkreis spuckte der Geist der Druidin.
Dies erfuhr auch der Holzfäller Heinz, der daraufhin den Steinkreis
zerstören wollte, denn er wollte nicht mehr an seine damalige Tat erinnert
werden.
Mit Mühe und Not konnten fünf Dorfbewohner Heinz davon abhalten
den Steinkreis zu zerstören, denn viele von ihnen hatten inzwischen
durch ihre Tat ein schlechtes Gewissen.
Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen erfuhr Karl davon, dass seine
Kinder gar nicht von ihm waren und ging wütend auf Heinz los.
Der versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht, worauf Karl zusammen brach
Alle Bemühungen der Heiler waren vergebenes, denn Karl starb kurze Zeit
später.
Karl wurde beerdigt und der Segen der Cholest Priester wurde über seinem
Grab gesprochen.
In den darauf folgenden Tagen wurde das Kind der Baronin gefunden, und der
Baron wurde von den Räubern frei gelassen, (nachdem diese irgendwelche
Papiere bekommen hatten)
Manche Leute sagten auch, dass es sich bei den Räubern gar nicht um
Räuber handelte, sondern um die Truppen von Fürst Carol.
Die verborgenen Steinplatten wurden ebenfalls gefunden und wieder in den
Steinkreis eingesetzt.
Einigen naturverbundenen Reisenden gelang es wieder den Segen über das
Land zu sprechen, worauf die Schmetterlinge wieder über die Wiesen flatterten.
Es bleibt zu hoffen, dass die Menschen aus ihren Taten gelernt haben...