Karl der Bauer

09.11 Erdentag des Jahres 3010
Heute sind viele neue Abenteurer in unser Dorf „Ehretreu“ gekommen.
Sie sind vermutlich hier um an der Hochzeitsfeier des dritten Neffen
unseres lieben Barons teilzunehmen.
Unser Imker „Akke“ erzählte mir, dass der Neffe zur Hochzeit Geld
unter die Leute geworden hat.
Ich habe ihm natürlich nicht erzählt, dass ich auf dem Rasen
eine Goldmünze gefunden habe.
Später hat mir der Neffe unseres lieben Barons sogar meine Kuh
„Klara“ für eine ganze Goldmünze abgekauft.
In der letzten Zeit hat sie sowieso nicht mehr soviel Milch gegeben und
schließlich habe ich noch „Emma-Isolde“
Für Klara geht es morgen richtig rund.
Unter den Reisenden sind sogar die “Helden der drei Fackeln“, die Klara
im Wald vor den Wölfen gerettet haben.
Akke hat die Fackeln gesammelt, die sie in der Nacht dabei gehabt
haben, und wir haben sie gleich in unserem Heldenschrein angebracht.
Ich bin froh dass die netten Leute nun hier sind, denn seitdem die
„Helden der Nordwinde“ nicht mehr da sind geht es unserem Dorf immer
schlechter.
Seit ein paar Wochen kommt sogar der belebte Wald in Gestalt von
„Waldschraten“ immer näher ans Dorf.
Die Wölfe werden auch immer hungriger und ich mache mir
große Sorgen um meine Kühe.
Klara hat sich inzwischen vom Schreck erholt, und Emma-Isolde schmeckt
das Heu sehr gut.
Im Gegensatz zu Klara scheinen sie die Wölfe nicht zu stören.
Ich bin froh dass sie bei „Sinoro Hargor Aus Dem Oger Wald“ war, und
auch wenn sie nun etwas seltsam aussieht mag ich sie sehr.
Ich bin etwas traurig darüber, dass die lieben Helden ihn vor
einem Jahr erschlagen haben, denn er hat bei mir immer sehr viel Milch
gekauft.
Den meisten Dorfbewohnern war er unheimlich, aber ich fand ihn und Igor
sehr nett.
10.11 Feuertag des Jahres 3010
Heute hatte ich Zeit mich mit vielen der Abenteurer zu unterhalten.
Sie alle kennen das Handbuch für Abenteurer noch nicht.
Als ich es in der Taverne zeigen wollte, stellte unsere Wirtin „Sonja“
fest, dass es irgendjemand gestohlen hatte.
Ich bin sehr traurig, denn schließlich handelt es sich um das
Buch, durch das ich durch unsere Lehrerin „Katja“ das Lesen gelernt
hatte.
Wenn mein kleiner Sohn „Peter“ erst einmal groß geworden ist,
werde ich selbst ein Abenteurer und später ein Held werden.
Wenn der Kleine doch nicht erst 4 Jahre alt wäre.
Meiner Frau „Anna“ habe ich versprochen zu warten, bis Peter 16 Jahre
geworden ist.
Ich hoffe die Zeit geht schnell rum.
Ich denke schon, dass ich der geborene Held bin, denn heute habe ich
insgesamt 5 Waldschrate mit der Bratpfanne erschlagen.
Das alte rostige Schwert das Sonja in ihrer Taverne aufbewahrte, war
mir zu schwer, und die Bratpfanne liegt gut in der Hand.
Später am Tag bin ich mit „Venla“, der Schwester unseres
Apothekers „Anton“ im Wald gewesen.
Wir haben am großen See bei den Echsen zwei Eier mitgenommen.
Sonja wird sich sicher freuen, dass sie wieder frische Echseneier in
der Taverne verkaufen kann.
Auf dem Rückweg sind wir ein paar Echsen begegnet, die uns
verfolgt haben.
Aber die neuen Helden haben die ganz schnell umgehauen, und nun
bestimmt richtig großen Hunger.
Ich hoffe dass der liebe Michel etwas davon bekommt, denn ich habe
schon überall damit geprallt, dass er den Elfen Taralon umhaut.
Der Michel ist ein ganz toller Held, der auch zu den drei Fackeln
gehört.
Michel will aber nichts davon hören, denn er sagt, dass Helden tot
sind.
So denkt er bestimmt nur, weil er das Handbuch noch nicht gelesen hat.
Verdammt, wo ist nur das Handbuch?
Zum Glück kenne ich es fast auswendig und habe einigen Helden
schon einige Kapitel vorgetragen.
Später am Tag sind noch ein paar Echsen im Dorf gewesen.
Leider haben die Helden sie dieses Mal nicht umgehauen.
Es kam heraus, das Venla und ich die Eier mitgenommen haben.
Ein Elf namens „Landras“ war darüber sehr wütend, und hat mir
erklärt, dass man von den Echsen keine Eier nehmen darf.
Ich kann das nicht verstehen, denn schließlich haben uns doch die
Helden der Nordwinde gezeigt, dass Echseneier so gut schmecken.
Der Elf ist ein ganz toller Kämpfer und ich werde mal darüber
nachdenken, ob ich wieder Echseneier nehmen werde.
Mein Bein tut immer noch ein wenig weh, denn eine der Echsen hat mich
gehauen.
Vielleicht ist es sogar wirklich besser die Echsen in Ruhe zu lassen.
Später am Tag hörte ich davon, dass es keine
Schildkrötensuppe gibt, denn eine der Abenteurer hat die letzte
Verliererin des Schildkrötenrennens gekauft.
Morgen wird es wieder ein neues Rennen geben, und ich habe den
Geheimtipp bekommen, auf die blaue Schildkröte zu setzen.
Vielleicht gewinne ich eine ordentliche Summe Geld von unserem
Händler Diego.
Der Diego ist ganz nett, aber manchmal verstehe ich ihn nicht, denn er
spricht so komisch.
Der kommt wohl von ganz weit her, hat aber immer tolle Sachen in seinem
Laden.
Leider hatte ich in letzter Zeit nicht so viel Geld, aber das wird sich
jetzt alles ändern.
Welcher Bauer hat schon an einem Abend zwei Goldmünzen bekommen?
Von einer der Münzen werde ich mir zwei neue Kühe und zwei
Schweine kaufen.
Dann ist immer noch etwas Geld übrig.
Vielleicht kaufe ich auch Anna ein neues Kleid, und Peter etwas zum
Naschen.
Ehrlich gesagt würde ich aber lieber Sonja oder Venla ein neues
Kleid kaufen, denn die finde ich viel besser als Anna.
11.11 Waschtag des Jahres 3010
Inzwischen kommen immer mehr Waldschrate ins Dorf, die bisher von den
neuen Helden erschlagen werden konnten.
Ich hörte aber noch eine unheimliche Geschichte, denn heute Nacht
war ein großes Monster im Dorf, dass auf die lieben Helden des
Luches los gegangen ist.
Das war so ein Ding namens „Betrachter“.
Der liebe Sinoro hat das wohl gefangen gehabt, und nun mache ich mir
große Sorgen.
Ich vermute das Monster wird noch so manchen Abenteurer fressen.
Später am Tag habe ich auch noch eine Dryade gesehen
Das ist so ein Waldgeist, der ganz hübsch ist, aber auch sehr
unheimlich.
Die Helden wollen nun alle guten Dinge rückgängig machen, die
unsere Helden der Nordwinde im letzten Jahr gemacht haben.
Inzwischen wurde der Damm, der für eine bessere Bewässerung
der Felder sorgt auch eingerissen.
Den wilden Bienen wurde auch wieder etwas vom Honig zurückgegeben.
Dann wurden noch zwei Landstreicher aus dem Dorf vertrieben, die im
Wald Fallen aufgestellt haben, und zwei „Ehrhörner“ gefangen
hatten.
Jeder im Dorf weiß doch, dass man keine Ehrhörner fangen
soll, denn schließlich würde es dann keine Ehrhornpaste mehr
geben.
Da war eine nette Elfe namens „Kayakiel“, die sich um eines der Tiere
gekümmert hat.
Die war ganz lieb zu dem Tier, und hat ihm von den Rosen zu fressen
gegeben.
Wir ich später hörte ist das Ehrhorn dann wieder in den Wald
gebracht worden.
Die neuen Helden haben auch den magischen Schutz um unseren Heilbusch
entfernt.
Sie sagen, dass nicht nur wir Menschen von den Beeren essen
dürfen, sondern auch kranke Tiere.
Ich verstehe das zwar nicht so ganz, aber die neuen Helden finde ich
auch ganz toll.
Die helfen uns im Kampf gegen die ganzen Monster
Etwas später war ich auf meinem Hof, um nach Emma-Isolde und nach
Petra zu sehen.
Sie waren weg, und Anna erzählt mir, dass sie vor den Wölfen
ausgerissen sind.
Ich habe sie im Wald gesucht und Petra gefunden.
Mit ihr bin ich ganz aufgeregt ins Dorf gelaufen.
Dort hat mir Taralon die Kuh abgenommen, und ich dachte er wollte sie
am Zaun festbinden.
Stattdessen brachte er Petra zu den Wölfen.
Ich war erst ganz schön wütend als Emma-Isolde und Petra von
den Wölfen gefressen wurden, aber dann habe ich eine
Goldmünze und zwei Silbermünzen für die Kühe
bekommen.
Emma-Isolde hat zwar sehr gute Milch gegeben, sah aber mit ihren zwei
Köpfen doch sehr seltsam aus.
Ich werde mir dann doch lieber ein paar neue Kühe kaufen.
Am führen Abend hat nun eine ganze Arme von Waldschraten das Dorf
angegriffen
Sie wurden von einem jungen Ent angeführt.
Das ist so ein lebender Baum, der wohl sehr ärgerlich darüber
war, dass die Helden der Nordwinde seinen Papa umgehauen haben.
Die liebe Dryade und die neuen Helden haben dafür gesorgt, dass
der Ent sich wieder beruhigt hat, und gemeinsam sind die beiden in den
Wald gegangen
Bei der hübschen Dryade wäre ich an seiner Stelle auch
mitgegangen.
Nun ist im Dorf wieder Frieden und der Wald, die Wölfe und Bienen
lassen uns in Ruhe.
Die neuen Helden werden wohl bald weiterreisen und vermutlich noch
viele weitere gute Taten begehen.
Das Handbuch für Abenteurer ist immer noch verschwunden, und mir
wird nun klar, dass nicht alles was dort drinnen stand richtig ist.
Die Helden der Nordwinde sind gute Leute, die es vielleicht etwas zu
gut mit ihren Heldentaten gemeint haben.
Ich weiß dass ich irgendwann ein Held werde, und eines werde ich
mir aus dem Handbuch genau merken.
Dort drinnen steht:
„Manchmal ist es schwierig ein Monster von einem durchschnittlichen
Abenteurer zu unterscheiden.
Eine einfache Faustregel lautet: „Wenn die Kreatur angreift, töte
sie, und nenne sie anschließend ein Monster.“